Meine kurze Zeit in New York City neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Vor meinem Praktikum dieses Jahr war ich bereits zwei Mal in New York, allerdings immer nur als Touristin für wenige Tage. Für meinen Aufenthalt jetzt hatte ich mir also vorgenommen, NYC endlich mal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Ich wollte wissen: Wie lässt es sich eigentlich in der Millionenmetropole leben?

Die teuerste Stadt der Amerikas

In New York sitzt das große Geld. Das bekomme ich leider tagtäglich zu spüren. Angefangen von der Miete für mein Zimmer von US$ 880 (die hier als extrem niedrig angesehen wird), über eine Packung Aufschnitt für ca. US$ 6 oder ein (halbwegs leckeres) Brot für US$ 8 bis hin zum Glas Wein für US$12 – ich habe hier tatsächlich ein ganz anderes Verhältnis zu Geld bekommen. Nach einem günstigeren Supermarkt wie Walmart sucht man vergeblich und Starbucks kommt einem auf einmal günstig vor. Nur dank der Unterstützung meiner Eltern, kombiniert mit dem DAAD Kurzzeitstipendium, der Aufwandsentschädigung für das Praktikum von 300€ monatlich und  Erspartem aus meinem Kellner-Job im Sommer kann ich mir die knapp 3 Monate hier leisten.

Living the cliché life

Es kam nicht selten vor, da dachte ich mir wirklich: Ich lebe hier ein echtes New Yorker Klischee-Leben. Wenn man morgens mit einem Starbucks-Getränk in der Hand die 2nd Ave. zwischen Anzugträgern und Damen in schicken Kostümen runter läuft, fühlt man sich schon fast – aber auch nur fast – wie eine echte New Yorkerin. Was ich daran so toll finde? New York ist ein echter melting pot, man hört die verschiedensten Sprachen und nur weil man mit einem Akzent spricht, heißt es noch lange nicht, dass man fremd ist.

New York intern life

HallowThanksMas – Best season of the year

Vom Zeitraum her habe ich wohl die beste Saison erwischt, um in New York zu sein. An Halloween und Thanksgiving habe ich zwei der größten Paraden in New York live miterlebt und und bin begeistert in diese holiday season gestartet. Zusätzlich habe ich mir eine Wahnsinnsshow an Halloween angeschaut und mir beim Black Friday Shopping die Nacht um die Ohren geschlagen. Und der Dezember steht natürlich ganz im Zeichen der Vorweihnachtszeit. Echt schöne Weihnachtsmärkte haben eröffnet (leider jedoch ohne Glühwein, da in der Öffentlichkeit ja kein Alkohol ausgeschenkt werden darf), Tannenbäume leuchten an jeder Ecke und beim gemeinsamen Lieder singen kommt man so richtig in Weihnachtsstimmung. Diese Zeit ist natürlich auch geprägt durch die unendlich vielen Touristen in der Stadt; am Wochenende war am Rockefeller Center kein Durchkommen mehr, für einen Block habe ich buchstäblich 15 Minuten gebraucht. Für New Yorker ist also im Moment die Priorität Nr.1 das Rockefeller Center und den Times Square zu meiden.

Die Stadt, die niemals schläft!?

Würde ich so nicht unbedingt unterschreiben. New York schläft meiner Auffassung nach jedenfalls nicht weniger als andere Großstädte. Klar, am Times Square gehen die Lichter niemals aus und feiern kann man auch bis in die Morgenstunden (wobei die New Yorker definitiv nicht so ausdauernd sind wie beispielsweise die Argentinier!), aber es kommt auch schonmal gut und gerne vor, dass man nachts eine knappe Stunde auf seinen subway warten muss. Außerdem ist es mir jetzt tatsächlich schon des Öfteren passiert, dass ich nach dem Feiern hungrig schlafen gegangen bin, weil ich einfach nichts zu Essen mehr gefunden habe! Die Straßenverkäufer ziehen auch irgendwann ihre Buden ab und selbst Burger King oder Subway schließen meistens um 23 Uhr – nur auf ein Stück Pizza an einer Ecke kann man dann manchmal noch hoffen! 😀

Security issues

Gibt es in der Stadt nicht wenige. Hier schreibe ich nur über zwei Aspekte, mit denen ich selbst in meinem Alltag in Berührung gekommen bin. Zum einen der Subway: Seit September diesen Jahres sind fast 30 Menschen vor Züge gefallen oder, und das leider hauptsächlich, gestoßen worden. In den Stationen wird daher deutlich auf diese Gefahr aufmerksam gemacht und ich achte wirklich darauf, lieber ein bisschen mehr Sicherheitsabstand zu den Gleisen zu haben. Was sich aber in den letzten Monaten seit meiner Ankunft drastisch geändert hat sind die Sicherheitsprobleme rund um Trump und seinen Tower mitten auf der 5th Ave. Das Hauptquatier des Trump-Teams und sein Wohnsitz der Trump Tower ist nämlich eigentlich ein öffentliches Gebäude, in das Besucher bis vor den Wahlen ein- und aus spazieren konnten. Das hat sich seit dem 8. November natürlich geändert. In den ersten Tagen danach gab es ja Massendemonstrationen vor dem Trump Tower, sodass Spuren und ganze Straßen gesperrt werden mussten, riesige Sand-Laster als Schutzschild vor dem Gebäude platziert wurden und das Polizeiaufkommen natürlich enorm war. Im Moment sieht es so aus, dass man den Block um den Trump Tower nur erreichen kann wenn man die benachbarten Geschäfte (die dadurch auch riesige Verluste eingefahren haben) erreichen will und durch eine Sicherheitsschläuse auf dem Bürgersteig geht. Zusätzlich gibt es immer noch eine abgesperrte Zone für die Presse und (vereinzelte) Demonstranten. New Yorks Bürgermeister de Blasio gibt an, dass die Stadt täglich rund US$ 1 Mio. ausgibt (und versucht, erstattet zu bekommen), um für Trumps Sicherheit zu sorgen.

Zum Abschluss: Living in New York …

bedeutet, dass die Sonnenstrahlen im Winter nur dein Büro erreichen, wenn sie sich in den Glasscheiben eines höheren Wolkenkratzers spiegeln.

bedeutet, dass du dich mindestens 5 Mal mit dem subway verfährst, bevor du die Planänderungen am Wochenende verstanden hast.

bedeutet, dass du dir ein Leben ohne Autohupen im Hintergrund nicht mehr vorstellen kannst.

bedeutet, dass ein Starbucks immer in Sichtweite ist.

bedeutet, dass du unter 21 und ohne ID aufgeschmissen bist.

bedeutet, dass dir Philiadelphia mit ihren 1,5 Mio. Einwohnern wie ein Dorf vorkommt.

bedeutet, dass du jedes Mal aufs Neue von der nächtlichen Skyline überwältigt wirst.

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