Besser spät als nie. Das ist wohl das Motto dieses Blogeintrages, mein allererster in Marokko. Mir ist das Leben dazwischen gekommen, die fehlende Ruhe & Zeit meine Gedanken in Worte zu fassen – aber nun ist es endlich soweit und ich habe den Bann des ersten Blogeintrages gebrochen.

Obwohl ich schon 6 Wochen hier bin, möchte ich trotzdem ganz von vorne beginnen und erklären, warum ich nach Marokko gegangen bin. In meinem Studium sind wir dazu verpflichtet ein Semester nicht in Deutschland zu studieren. Wir können überall auf der Welt sein, nur nicht in Deutschland, und müssen mit genügend ECTS wieder nach Hause kommen. Außerdem müssen wir ein Praktikum von 5 Monaten im Ausland machen. Da ich sowieso wieder wieder viel zu lange in Deutschland war und mich das Fernweh gepackt hat, kamen mir diese Verpflichtungen ganz entgegen. Ob wir zuerst das Praktikum oder zuerst das Studium machen bleibt ganz uns überlassen. Wie so vieles in diesem Jahr liegt auch das in unserem Entscheidungsbereich.

Bleibt immer noch die Frage: Warum dann genau nach Marokko? Ich will das mal so erklären: Ich hab das ganz pragmatisch gesehen und vier Bedingungen für mich festgelegt: Französisch sprachiges Land, unbekannte Kultur, wenig bürokratischer Aufwand, und Fokus auf Politikwissenschaft.

Politikwissenschaft. Auf Marokko bin ich deshalb gekommen, weil die EGE (Ecole de Gouvernance et d´Economie) eine Partneruni der OTH Regensburg ist und ich zwei Mädels kennengelernt habe, die dort ihr Auslandssemester verbracht haben und von Marokko geschwärmt haben. Die Uni bietet viele Kurse aus dem politikwissenschaftlichen Bereich an, die mich sehr interessiert haben.

Kultur. Nach weiterer Recherche ist mir aufgefallen, dass ich im Prinzip keine Ahnung von der marokkanischen Kultur, weitergefasst von der arabischen Kultur gehabt habe und meine Vorstellung auf Stereotypen, Vorurteilen und zuvor Gehörtes basiert hat. Das hat mich erstens neugierig und zweitens auch ein bisschen sauer gemacht.
Die Entscheidung nach Marokko zu gehen ist dann auch schon im Juni oder Juli letzten Jahres gefallen. Umso weiter das Jahr und umso mehr Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, desto glücklicher war ich über meine Entscheidung. Die negative Berichterstattung über den nordafrikanischen Kulturraum, besonders seit den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln, können einfach nicht alles sein. Es ist sicherlich richtig, dass die Stellung der Frau und der Respekt ihr gegenüber nicht immer dem westlichen Ideal, also unseren Werten und Wertvorstellungen entspricht, und dass sich das Vorgefallene nicht wiederholen sollte, aber nichtsdestotrotz ist diese Kultur vielfältiger, um einfach nur als frauenfeindlich und gefährlich abgestempelt zu werden. Ich möchte also hinter die Fassade des  sogenannten „typischen nordafrikanischen Mann“ blicken. Dazu möchte ich herausfinden, worin die Ursache solcher Probleme liegt. Daher gibt es für mich im Moment keine interessantere Kultur und keine Kultur, die wichtiger ist zu versuchen zu verstehen.

Religion. Es kommen so viele Menschen aus diesem Kulturkreis in die EU, die den Islam als Religion haben. Dabei habe ich mich immer gefragt: Was weiß ich eigentlich über den Islam als Religion, abgesehen von dem IS, Al- Qaida, und Boko Haram? Was bedeutet es für Muslime gläubig zu sein? Inwiefern wird die Religion in Marokko unterschiedlich ausgelebt? Inwiefern beeinflusst der Islam den Staat, da Staat und Religion nicht voneinander getrennt sind?

Sprache. Ein weiterer Grund ist natürlich auch Arabisch. Diese wunderschönen Buchstaben lesen und die sich daraus bildenden Wörter verstehen zu können, eröffnet mir einen Blick in eine Welt, die mir zuvor verschlossen geblieben ist. Zugegebenermaßen ist Arabisch nicht einfach, zumal in Marokko auch Darija (marokkanisches Arabisch) gesprochen wird. Im Prinzip ist Darija ein Dialekt wie Bayerisch oder Schwäbisch im Deutschen. Daher lohnt es sich auch Hocharabisch (fusha) zu lernen, denn Darija leitet sich grundsätzlich von fusha ab und ist die gesprochene Sprache in Marokko. Beim Einkaufen Darija zu sprechen, vereinfacht das Verhandeln von Preisen doch ungemein und ich kann zeigen, dass ich nicht einfach nur eine Touristin bin. Die Verkäufer freuen sich jedes Mal, wenn sie merken, dass ich genügend Darija für ein kurzes Gespräch beherrsche und selbst wenn ich nicht wirklich verstehe, was sie mir sagen wollen, hilft es trotzdem, da es einfach ein Türöffner ist. So werden alltägliche Situationen zu einem großen Spaß.

Ich hatte also mehrere Beweggründe, um nach Marokko zu gehen und bisher habe ich noch keinen einzigen Tag bereut in dieses Land gegangen zu sein.

In nächster Zeit werde ich euch mal ein bisschen was über die Uni erzählen, wo und wie ich wohne und was ich bisher so gesehen habe. Wenn ihr Fragen & Kommentare habt, ihr seid immer herzlich willkommen sie zu stellen.

Slaama!

كاتارئنا

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