Wow, auch in meinem Fall ist die Hälfte der Zeit in Bolivien schon vorbei. Unglaublich, was in so kurzer Zeit alles passiert ist. Inzwischen hab ich mich vollständig an die Höhe gewöhnt (meine Wohnung liegt auf ca. 3400 Metern über dem Meeresspiegel) und bekomme zwar wenig Luft beim Sonntäglichen Fussball-zackeln und Treppensteigen aber merke die Höhe sonst nur beim Nudeln Kochen, weil das Wasser schon bei 80°C kocht, und ich mir folglich beim ungeduldigen Probieren der halbgaren Spagetti nicht die Zunge verbrenne. Verbrannt hab ich mich in den letzten Wochen allerdings durchaus. Die Regenzeit ist vorbei, und ich kann mich spontan nicht an den letzten Regen erinnern. Tagsüber ist es deshalb sehr sonnig aber es geht ein kühler Wind, der das Wetter erträglich macht. Nachts ist es aber auch sehr kalt (mein Handy zeigt morgens immer Einstelliges an). Schlafen kann ich dank meiner Wolldecken dennoch sehr gut, wären da nicht die ständigen Autoalarmanlagen, die immer gleich klingen und nächtlich im ganzen Viertel losfiepen. Geraubt wurde außer meinem Schlaf allerdings noch nichts. Generell ist die Sicherheitslage entspannter als ich zuvor angenommen hätte. Ich bleibe natürlich vorsichtig und halte mich an gewisse Spielregeln, aber ich fühle mich in keinster Weise gefährdet oder eingeschränkt.

Leider hatte ich in den letzten Wochen wenig Zeit den Schlaf nachzuholen, trotz Anwesenheitspflicht in der Uni 😉 . Dort standen im März in jedem Fach Zwischenexamen an. In der Regel waren das immer 90 minütige schriftliche Klausuren über den bisherigen Stoff, welche bestanden werden müssen um zur Endprüfung zugelassen zu werden. Ich denk ich hab auch alle einigermaßen gut hinbekommen, und hoffe dass die nächsten Wochen ein bisschen ruhiger werden.

Letzte Woche fand in ganz Bolivien ein recht grotesk anmutendes Spektakel statt. Bolivien feierte den Día del Mar, den Tag des Meeres. Inzwischen weiß ich, dass Bolivien durch einen Krieg mit Chile im späten 19. Jahrhundert seinen souveränen Zugang an den Pazifik verloren hat, und dass es seitdem einen nicht enden wollenden Streit um die Rechtmäßigkeit dieser Annektierung gibt. Jedes Jahr führt Bolivien deswegen eine Parade auf um an den großen Verlust zu erinnern. Dabei sind alle öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Ministerien, und Verwaltung dazu aufgerufen mitzumachen, und so zog eine irrsinnig lange Karawane an Meerprotestlern durch die Kulisse von La Paz auf 3700 Metern, umrahmt von den Schneebedeckten 6000ern der Cordillera Real. Naja, vielleicht bringt ja eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag die Verhandlungen weiter.

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Dann war aber Ostern, und die ganze Stadt war für ein paar Tage wie ausgestorben. Auch ich bin ein bisschen gereist, und zwar nach Coroico, ans andere Ende der Todesstraße. Früher gab es dort nur einen einspurigen in den Berg gehauenen Feldweg, sodass es immer wieder zu schweren Unfällen kam. Seit ein paar Jahren gibt es nicht zuletzt dank Ausländischer Entwicklungszusammenarbeit aber eine moderne Autobahn, die sich zwar mit unendlichen Serpentinen die 2000 Höhenmeter hinunterwürgt, aber immerhin ist die Straße geteert und gut befestigt.

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Coroico selbst ist ein winziges Nest im Urwald, wo viele Paceños (Einwohner von La Paz) ein Ferienhaus haben und das außer am Osterwochenende wohl dauerhaft leer steht. Dort sind wir ein bisschen rumgewandert und haben sonst die Natur genossen, von der es in der Metropole La Paz leider nur noch sehr wenig gibt.

In der kommenden Woche wird ich mit meinem Kurs Patrimonio Cultural en Bolivia eine Klassenfahrt nach Sucre und nach Potosí starten. Ich bin sehr gespannt darauf, denn Sucre gilt als eine der schönsten Städte Lateinamerikas, Potosí allerdings ist eine verlassene Silbermienenstadt. Ich werd es euch berichten!

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