In einem neuen Land anzukommen und für ein ganzes Weilchen dort zu bleiben ist immer mit so einigen Unsicherheiten verbunden. Man fragt sich, wie wohl alles werden wird, wie man aufgenommen wird und ob man es schafft, mit den neuen und ungewohnten Gegebenheiten umzugehen. Auch wenn es das Nachbarland Deutschlands ist tauchen viele Fragen auf und nicht wenige nehmen ein Jahr im Ausland gar nicht erst in Kauf, gerade um solche Unsicherheiten zu vermeiden.


Auch für uns ist es schwer, die neu erlangten Sicherheiten in Regensburg, die wir in eineinhalb Jahren mühevoll aufgebaut haben, einfach wieder aufzugeben und uns willentlich in ein neues unruhiges Gewässer zu begeben.Ich bin nun seit einer Woche in Marokko und habe schon in dieser kurzen Zeit so viele der Unsicherheiten abgebaut und neue Sicherheiten etabliert, von denen ich gerne berichten möchte.

Angekommen bin ich in Marrakesch, wo mich eine zuvorige Couchsurfing-Familie wieder mit großer Gastfreundschaft begrüßt hat. Es war ein herrliches Gefühl, zurückzukehren und die Wirkung weniger Tage Aufenthalt in dieser Familie auch noch ein halbes Jahr später zu spüren. Mit dem halben Jahr Arabischunterricht, den ich seitdem besucht hatte, konnte ich auch endlich die Fragen nach Familie, Kultur und Krise in Deutschland auf Arabisch halbwegs beantworten und saß nicht mehr ganz ahnungslos mit der Mutter der Familie an einem Tisch, die so gut wie kein Französisch spricht. Ein toller Willkommensgruß in meiner neuen Heimat und der perfekte Start.

Mit dem Zug ging es von Marrakesch am nächsten Morgen die vier Stunden hoch nach Rabat; begleitet von spannenden Gesprächen im ganzen kleinen Abteil. Mein marokkanischer Sitznachbar sprach plötzlich Deutsch, mein Gegenüber ist Frisörin in Sale, der Zwillingsstadt von Rabat, und mein linker Sitznachbar wollte mir auch sofort bei der Wohnungssuche helfen und machte mir eine Liste mit allen Geheimtipps von Rabat.

Die ersten Nächte in Rabat lernte ich dann die berühmte marokkanische Gastfreundschaft umso genauer kennen und wurde vom besten Freund eines marokkanischen Blablacar-Fahrers begrüßt, den ich kurz zuvor in Deutschland kennen gelernt hatte. In Deutschland bot er mir an, mir bei der Wohnungssuche zu helfen und mich notfalls sogar im Haus seiner Familie unterzubringen, das eine riesige Unterstützung darstellte. Driss und Abdelfattah, dessen beste Freunde, holten mich in Rabat ab, ermöglichten mir eine Unterkunft für die ersten Tage und zeigten uns in den nächsten Tagen ein paar Orte in Rabat. Ohne diese Hilfe wäre ich wohl ziemlich aufgeschmissen gewesen und bin unglaublich dankbar dafür. Ich habe Marokko somit von Anfang an von seiner besten Seite kennen lernen können.

Gleich am zweiten Tag besuchten wir zusammen ein Zimmer in einer Villa in Hay Riad, einem der nobleren Viertel von Rabat, das frei geworden war. Die Villa ist riesig und wunderschön, hat sogar einen Garten, Hühner und so einige leer stehende Zimmer. Zunächst konnte ich es gar nicht fassen und wollte mich ungern in solch eine noble Gegend wagen, die so gar nicht dem Marokko entspricht, das ich erwartete. Driss und Abdelfattah handelten für mich noch von 3000 auf 2300 Dirham runter, das 230€ entspricht und ich konnte gleich am nächsten Morgen kommen, um die Schlüssel zu bekommen. Hier scheint es also selten Fristen und großen bürokratischen Aufwand vor einem Umzug zu geben. Wenn man eine Zusage hat, kann man praktisch direkt einziehen und bekommt die Schlüssel auf die Hand.

Nun wohne ich also in einer Villa im zweitbesten Viertel der Stadt, mit Hühnern und Avocadobaum im Garten, mit (noch) leerem Pool und einem wunderschönen Badezimmer und Terrasse für mich alleine. Nicht ganz das, was ich erwartet habe, aber eine herrliche Wendung dessen ist es allemal.

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