Lang hat hat es gedauert, aber nun endlich ist er da, mein erster Blogpost!

So viel Zeit ist schon vergangen, seitdem ich in Bogotá angekommen bin und doch habe ich das Gefühl, ich sollte am Anfang beginnen. 

Als eine der ersten machte ich mich Mitte Januar auf den Weg nach Kolumbien zum Studium an der Universidad de los Andes. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich gegen das Studium an einer Partneruniversität entschieden und mich stattdessen auf eigene Faust auf die Suche nach Universitäten in Lateinamerika gemacht. Am Ende hat mich die Universidad de los Andes an den Ausläufern der Anden überzeugt. Bereits kurz nach meiner Ankunft sollte ich erfahren, was es heißt, als FreeMover (Austauschstudierende, welche nicht von Partneruniversitäten kommen) unterwegs zu sein. Dokumente mussten unterschrieben werden, Zuständigkeiten geklärt, Studiengebühren überwiesen werden und das alles möglichst schnell. Als die erste Vorlesungswoche begann, wurde mir mit einem Mal auch schlagartig bewusst, was es wirklich bedeutet, komplett auf Spanisch zu studieren. Zu Hause war ich noch sehr zuversichtlich und motiviert gewesen, hier rutschte mir im ersten Moment das Herz aber doch in die Hose. 

Nach nun mehr als einem halben Semester kann ich sagen, dass alles halb so schlimm war und sich am Ende doch immer ein Weg findet. Mit den Vorlesungen auf Spanisch habe ich mich mittlerweile auch angefreundet. Heute bin ich mit meiner Entscheidung mehr als zufrieden und würde mich jederzeit wieder so entscheiden – für Kolumbien, für die Universidad de los Andes, für ein Austauschsemester als FreeMover. 

Der Unialltag hier in Kolumbien ist deutlich arbeitsintensiver als zu Hause in Regensburg. Für jede Vorlesung gibt es verpflichtende Lektüre, die man sich besser auch zu Gemüte führt, da nicht selten unangekündigte Quizes veranstaltet werden. Auch sonst wartet das Semester mit einer Vielzahl an Zwischenleistungen und Gruppenarbeiten auf. Langweilig wird einem hier nicht. Wenn man dann noch auf andere Austauschstudierende trifft, welche “nur zum Spaß” hier sind, muss man schon manches Mal die Zähne zusammenbeißen. Nichtsdestotrotz hat genau dieses ständige Beschäftig-Sein dazu beigetragen, dass ich hier unglaublich schnell angekommen bin. Nach dem in den ersten zwei Wochen alle Regularitäten geklärt werden konnten, konnte ich mich ganz meinem Da-Sein als Austauschstudierende widmen. Ähnlich wie schon in Taiwan genieße ich das Austauschleben in vollen Zügen. Mittlerweile habe ich eine gute Balance zwischen arbeitsintensiven Wochentagen und entspannten Wochenenden gefunden. Während ich von montags bis freitags zu wenig anderem als zum Studieren komme, nutze ich die Wochenenden um gemeinsam mit Freunden Bogotá und das Land zu erkunden. 

In den letzten Wochen und Monaten bin ich an die Karibikküste gereist, war zum Karneval in Barranquilla, habe einen Bungie-Jump gewagt, war schnorcheln auf San Andres und habe mir beim Rafting die Nase verbrannt. Während der Osterferien bin ich gemeinsam mit einer Freundin, welche zu Besuch aus Deutschland in Kolumbien ist, zur Ciudad Perdida gewandert. Im Rahmen einer geführten Tour sind wir vier Tage durch den Dschungel gewandert zur ehemaligen Hauptstadt einer der größten indigenen Stämme in Kolumbien. Den Stamm der Tayrona gibt es heute nicht mehr, doch die Überreste ihrer Stadt sind noch erhalten. Nur mit staatlich anerkannten Touranbietern ist es gestattet, Ciudad Perdida, die verlorene Stadt, zu besichtigen. Den verlassenen Ort in der Sierra Nevada im Norden Kolumbien kann man nur zu Fuß erreichen. Nur der Präsident darf mit dem Hubschrauber anreisen. Im Anschluss an die Wanderung machten wir uns auf dem Weg zum nördlichsten Punkt Lateinamerikas, eine ganz besondere Erfahrung. Auf dem Weg dahin durchquerten wir so viele verschieden, nie zuvor gesehene Landschaften um Ende an dem Ort anzukommen, wo die Dünen der Wüste in den Wellen des karibischen Meers enden, Punta Gallinas. 

Mit einem Rucksack voller neuer Erfahrungen und einigen Blasen an den Füßen bin ich am vergangenen Montag zurück nach Bogotá gekommen. Nach zehn Tagen Sonne und durchschnittlich 30 Grad hat mich hier die Regensaison eiskalt erwischt. Nun beginnt für mich der zweite, sehr viel kürzere Teil des Semesters. Sechs Wochen verbleiben mir noch mit anschließenden Prüfungen. Auch wenn ich mich schon jetzt auf weitere Reisen nach Abschluss des Semesters freue, möchte ich die Zeit doch gerade liebsten anhalten. 

Es ist ziemlich schwer, knapp drei Monate in einem Blogpost zusammenzufassen, doch ich hoffe ich konnte hier einen kleinen Überblick geben. Bei Interesse kann ich in den nächsten Wochen gern ausführlicher über das Leben an der Universidad de los Andes berichten, oder detaillierter von meinen Ausflügen und Reisen erzählen. Schreibt doch einfach einen Kommentar, und lasst mich wissen, was euch besonders interessieren würde. Soweit bleibt mir erst einmal nix weiter zu sagen, als dass ich mehr als fasziniert bin, sowohl von Bogotá als auch von Kolumbien. Das Land hat bisher alle meine Erwartungen übertroffen. Ich glaube in den Köpfen vieler Europäer dominiert noch ein  Bild von Kolumbien, welches heute nicht mehr der Realität entspricht. Doch dazu ein andermal mehr. Ich sende euch die besten Grüße aus dem verregneten Bogotá und melde mich bald wieder!

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