3 Wochen in Mainland China – Ein erster Eindruck

Müde und erschöpft bin ich vor drei Wochen im Reich der Mitte angekommen und wurde umgehend von einem unfreundlichen und beharrlichen Taxifahrer belagert, der meinen Koffer schnappte und mir diesen auch erst vor meinem Hostel wieder gab, wo er mir auch gleich den dreifachen Preis abknöpfte. Soviel zu meinem Start in China.

Von September bis Ende Januar werde ich mein Praktikum am Generalkonsulat in Chengdu absolvieren. Chengdu, das ist die Hauptstadt der Provinz Sichuan, eine 16-Millionen-Einwohner-Stadt von der kaum einer was gehört hat, es sei denn man arbeitet bei Volkswagen. Einheimische und Expats sagen, dass Chengdu eine der entspanntesten und lebenswertesten Städte in China ist. Nun ja, soweit kann ich das noch nicht bestätigen. Aber ich habe mein endgültiges Urteil natürlich noch nicht gefällt und bin noch am Wahrnehmen, Aufnehmen und Eindrücke sammeln.

Wer in Chengdu ankommt, der wird schnell die Sonne und den blauen Himmel vermissen. Das Wetter ist hier fast immer grau, mal mit, meist ohne Regen. Von Nebelsburg habe ich also einen großen Schritt hier nach Greydu gemacht. Man wundert sich aber auch gar nicht lang, wo der ganze Smog herkommt, wenn man nur kurz einen Blick auf die Straßen und den nie endenden Verkehr wirft. Wo Mopedfahrer ohne Helm fahren und Fahrradfahrer neben SUV’s auf der Gegenfahrbahn kann einem auch als Fußgänger schon mal Angst und Bange werden. Licht am Fahrrad,Licht am Moped? Überbewertet. Klingeln? Unbedingt und am besten die ganze Zeit. Weil blinken wäre ja auch zu einfach.

Hat man es dann mit dem Fahrrad oder der U-Bahn zum gewünschten Ziel geschafft (das kann hier schon ein Weilchen dauern auf Grund der enormen Dimensionen der Stadt), ist man vielleicht grad im Peoples’s Park, der Shopping Meile oder in einem der unzähligen kleinen Straßenrestaurants gelandet. Egal wo man ist, allein ist man sicher nie. Ich hatte mir unter Teehaus ein gemütliches Häuschen vorgestellt, wo man in Ruhe ein Buch lesen kann oder sich mit gedämpfter Stimme unterhält. Weit gefehlt! Es erinnerte mehr an einen Biergarten als an alles andere, und zwar einen sehr großen Biergarten! Dort wird gespielt, geraucht, geschrien, gerotzt, viel auf Handys gestarrt und natürlich Tee getrunken. Nebenbei hat man die Möglichkeit sich von einem der ambitionierten Herren mit spektakulärem Gerät die Ohren reinigen zu lassen. Ich habe dankend abgelehnt. Mein Versuch, dennoch in diesem „Teehaus“ zu lesen, stellte scheinbar eine solche Rarität dar, dass das von mir fremden Menschen auch gleich digital mit dem neuesten iPhone festgehalten werden musste. Ohne mich vorher gefragt zu haben, versteht sich. Auch mein entsetzter Blick konnte die Dame nicht davon abhalten, Bilder von mir zu machen.

Macht man sich in Chengdu auf die Suche nach etwas Essbarem, ist eigentlich vollkommen egal, was man letztendlich findet, es wird auf jeden Fall sehr scharf sein. Auf ihren Sichuan-Pfeffer sind die Menschen hier sehr stolz und deshalb wird damit auch an keiner Ecke gespart. So langsam gewöhnen sich meine Geschmacksnerven daran, vielleicht wurden sie aber auch einfach nur abgetötet. Wer weiß.

Prinzipiell habe ich den Eindruck, dass das Land versucht, es einem möglichst nicht zu einfach zu machen, wär doch langweilig! So habe ich beispielsweise vergangene Woche mein Visum verlängern wollen. Mit der Hilfe eines chinesischen Kollegen und dessen Beziehungen klappte das soweit auch ganz gut und ging auch viel schneller als bei all den anderen Wartenden. Spannend wurde es, als mir gesagt wurde, ich könne den Pass nächste Woche wieder abholen. Da wären dann 400 Yuan (ca. 50€) zu entrichten. Wie ich die denn bezahlen könnte, fragte ich. Dazu muss man wissen, dass man als Ausländer fast ausschließlich mit Bargeld bezahlen kann, sofern man noch kein chinesisches Konto hat. Dieses kann man aber nur eröffnen, wenn man das Residence Permit erworben hat. Hat man diese nahezu unüberwindbare Hürde gemeistert, steht einem die Tür offen zu WeChat-Pay. WeChat ist das chinesische Äquivalent zu WhatsApp und beinhaltet auch eine Zahlungsfunktion ohne die hier ungelogen nix geht. Handy aufladen, U-Bahnkarte aufladen, Milch kaufen, in der Kantine essen, Gasrechnung, Miete, alles, aber wirklich alles wird mit WeChat bezahlt. Selbst im schäbigsten Restaurant lässt sich die Speisekarte nur via WeChat mit einem QR-Code aufrufen. Bestellen und bezahlen macht man natürlich über die App, wie auch sonst?! Lange Rede, kurzer Sinn: es stellte sich heraus, dass ich die 400 Yuan ausschließlich mit einer chinesischen Bankkarte begleichen kann. Dass ich diese ja erst nach Erhalt der Visumsverlängerung beantragen kann, schien eine vernachlässigbare Misslichkeit zu sein.

Und so tauchen hier immer wieder Steine auf, auf meinem Weg mir in dieser Gesellschaft einen Platz zu suchen und einen Alltag aufzubauen. Mal sind es Kieselsteine, die sich wegkicken lassen, mal Felsbrocken, die sich ohne Hilfe kaum bewegen lassen. Aber ich bin zuversichtlich, hier doch noch anzukommen. An das Geschrei, Gedrängel und auf den Boden-Gerotze gewöhne ich mich vielleicht auch noch. Obwohl, seien wir nicht albern…

Achso, und mein Praktikum, deshalb bin ich ja hier! Das ist spitze! Es ist eine kleine deutsche Insel mitten im chinesischen Chaos. Bisher gefällt es mir sehr gut, ich fühle mich in dem Kollegium sehr wohl. Seit Tag 1 bin ich gut eingespannt. Große Ereignisse werfen ihre Schatten schon voraus, es bleibt auf jeden Fall spannend!

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