Kein Zweifel, es gibt hunderte tolle Städte auf der ganzen Welt, und Dublin mag bei vielen nicht unter den Top 10 oder gar auf der Bucket-List stehen. Doch die Stadt, die für knapp 3 1/2 Monate meine Heimat war, bietet mehr als nur Pubs und Guinness.

Baile Átha Cliath, wie Dublin auf Gälisch genannt wird (und nein, ich kann es leider nicht mal ansatzweise sprechen), ist mit ca. 500.000 Einwohnern keine Millionenstadt. Das höchste Gebäude ist gerade mal 79 Meter hoch, eine Skyline sucht man hier also vergebens. Auch wenn hier Google, Facebook oder Twitter ihren Sitz haben (aufgrund der sehr niedrigen Umsatzsteuer von 12,5%) geht es, anders als beispielsweise in London, gar nicht hektisch zu. Die Menschen nehmen sich Zeit für ihren Weg zur Arbeit oder die Leute um sie herum. Nicht umsonst wurde Dublin von Trip Advisor schon zum zweiten Mal zur freundlichsten Stadt Europas gekürt. Sieht man verloren aus, weil man den Weg nicht findet, muss man nicht einmal jemanden fragen, sondern es wird einem ganz von selber geholfen. Steht man an der Bushaltestelle, verwickelt einen die Person daneben in eine lockere Konversation. Im Pub kommt man ganz schnell mit allen möglichen Leuten ins Gespräch und erfährt die lustigsten Sachen. Ja, die Iren liiiiieben Smalltalk! Das ist im Gegensatz zu Metropolen wie London oder Paris mal erfrischend anders und macht die Stadt auf ihre ganz eigene Art sehr lebendig.

Zu sehen gibt es in Dublin wie in jeder anderen Großstadt auch unzählige Sachen. Zu den typischen Touristenattraktionen, die ich mir natürlich angeschaut habe, zählen das „Guinness Storehouse“, das „Trinity College“, „O’Connell Street“ mit dem „Spire“ oder auch „Grafton Street“. Aber auch kleine Orte sind sehenswert, zum Beispiel das Künstlerviertel, die „Docklands“ oder der „Garden of Remembrance“.

Wer Hirsche aus nächster Nähe sehen, streicheln und füttern möchte, stattet „Phoenix Park“, dem größtem Innenstadtpark Europas, einen Besuch ab. Die Hirsche laufen hier in freier Bahn herum! Phoenix Park eignet sich aber auch super, um, wenn das Wetter mal passt, einen entspannten Sonntagnachmittag zu verbringen. In weniger als 20 Minuten ist man von Dublin aus im Küstenörtchen Bray oder im Fischerdorf Howth, wo man am Strand oder Pier entlang gehen und einfach mal zur Ruhe kommen kann. Baden kann man aber leider nicht… 😉

Eine der wenigen traurigen Fakten über Dublin ist, dass die Stadt sehr viele Obdachlose hat. In meiner ersten Woche ist mir schon aufgefallen, dass an nahezu jeder Ecke ein Bettler sitzt. Das Ganze hat sich dann noch verstärkt in der Nacht gezeigt, als ich vom Feiern nach Hause gelaufen bin und an vielen Haus- oder Ladeneingängen Obdachlose schlafen habe sehen. Dies hängt damit zusammen, dass in Folge der weltweiten Finanzkrise der Wohnungsmarkt in Irland und Dublin zusammengebrochen ist und die Regierung das Bauen von neuen Häusern und Wohnungen gestoppt hat bzw. stoppen musste. Nun gibt es nicht nur zu wenig Unterkünfte in der Hauptstadt, sondern die Preise sind auch fast unerschwinglich. So kann es vorkommen, dass man für einen „shared bedroom“ in einer nicht modernen Wohnung in der Innenstadt 700€ im Monat zahlen muss.

Die erste Frage, die mir nach meiner Rückkehr von ungefähr jedem gestellt wurde, war „Wie war das Wetter? Es hat ständig geregnet, oder?“. Doch, liebe Freunde, ich muss euch enttäuschen: es hat nicht ständig geregnet. Natürlich gab es mehr Niederschlag als daheim, aber nicht 24/7. Was allerdings gewöhnungsbedürftig war, war der ständige Nebel und das „Grau-in-Grau“, das öfters auch mal auf die Stimmung schlägt. Die Dubliner sind das gewöhnt, ihre Freundlichkeit trübt das nicht. Was die Einheimischen allerdings total aus der Bahn wirft, ist ein seltenes Phänomen, genannt Schnee. Sturm „Emma“ hat auch auf der grünen Insel seine Wirkung gezeigt und zum ersten Mal seit 1981 (5cm) Schnee gebracht. Geprägt durch milde Winter, wissen sie nicht, wie man mit Schnee umgeht. Da es keinen Winterdienst gibt, sind die Straßen nicht geräumt, was dazu führt, dass die Busse nicht fahren können. Die Leute bereiten sich auf eine Essensknappheit vor und kaufen die Supermärkte leer. Schulen, Universitäten, Shops schließen; sogar der Flughafen ist lahmgelegt. Das Ganze ist zu skurril, um wahr zu sein! Vier Tage später, nachdem der Schnee geschmolzen ist, kehren alle wieder zu ihrem gewöhnlichen Alltag zurück.

Genug Gerede, nun mal essentielle Infos – das Dubliner Nachtleben. Dadurch, dass Dublin die jüngste Stadt Europas und die Mehrheit der Einwohner unter 30 Jahren alt ist, finden sich unzählige Möglichkeiten zum Weggehen. Natürlich könnte man ins „Temple Bar“-Viertel (oder gleich in die Temple Bar) gehen, doch als quasi Einheimischer meidet man die Touristen-Hot-Spots, wo die Preise noch viel höher sind als überhaupt schon. Sage und schreibe 775 Pubs gibt es allein in Dublin, 10.244 in ganz Irland. Die Auswahl ist also riesig und die Wahl fällt schwer. Nahezu jeder Pub bietet schöne Livemusik, die zum Singen und Tanzen einlädt. Traditionelles Irish Dancing will gelernt sein! Was aber weniger einladend ist, sind die Preise. Für einen „Pint“ (genau 568,261 mml) zahlt man in normal teuren Pubs ca. 6-7€. Das Bier (meistens Guinness) oder mein Lieblingsgetränk, Cider, ist zwar gut, aber wirklich gerechtfertigt ist der Preis nicht. In vielen Pubs gibt es aber verschiedene Angebote an verschiedenen Wochentagen. So kann man zum Beispiel montags zum „Cheap Monday“ in eine, dienstags zu „Crazy Tuesday“ in eine andere Bar. Möchte man nicht gemütlich weggehen, sondern wirklich feiern, empfiehlt sich, vor allem für (internationale) Studenten, „Dicey’s Garden“. Der Club hat zwar nur zwei Sterne auf Google, das ist mir allerdings völlig unerklärlich. Dicey’s ist nicht nur spottbillig (mittwochs und an fast jedem anderen Wochentag kosten alle Getränke nur 2€), sondern auch riesig (fast zum Verlaufen) und immer herrscht hier eine sehr gute Feierstimmung. Manche meiner Kommilitonen schließen sogar Freundschaft mit den Türstehern, Barkeepern und Toilettenmännern. Wer nicht auf Mainstream-Musik steht, kann in andere Clubs ausweichen, von denen es auch genügend gibt. Generell eignet sich jeder Tag hervorragend zum Weggehen und es ist immer was los, was die Anwesenheit in den Kursen und das Lernen manchmal vielleicht zu kurz kommen lässt! Fazit: Dublins Nightlife – 1*!

Natürlich empfehlenswert ist der Besuch in Dublin während des „St. Patrick’s Days“. Am 17. März herrscht in der Hauptstadt Ausnahmezustand. Hauptsächlich feierwütige junge Leute und Touristen finden sich zur alljährlichen Parade im Zentrum der Stadt zusammen und feiern den Nationaltag der Iren. Nach der Parade geht’s dann von Pub zu Pub und es wird getanzt, gelacht und getrunken. Mit dem Tag verbunden sind allerdings auch sehr viel Kommerz, Lärm und Dreck, was auch Gründe sind, wieso viele Einheimische Dublin an diesem Tag verlassen. St. Patrick’s Day ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert, wenn auch nicht jedes Jahr!

Für mich wurde Dublin schnell so vertraut wie ein Dorf und so freundlich wie die Kneipe um die Ecke. Hier verwischen die Grenzen zwischen klassischen Besucherattraktionen, Gesellschaftsleben und Natur. Die Stadt: ein Abenteuer an sich!

Ich muss gestehen: ich habe mein Herz verloren.

Ich hoffe, ihr findet meine Eindrücke aus Dublin genauso spannend wie ich sie erlebt habe! Ich freue mich auf Kommentare,

eure Lea

P.S. Ein paar meiner persönlichen Highlights als Geheimtipps:

  • der „Garden of Remembrance“ ist eine schnuckelige Innenstadtoase zum Entspannen!
  • „The Celt“ in Talbot Street ist ein sehr traditioneller Pub mit toller Livemusik und einzigartiger Dekoration.
  • Im „The Little Museum of Dublin“ bekommt man eine persönliche Führung durch spezielle Aspekte aus Dublins Geschichte mit lustigen Anekdoten.
  • Die „GPO Witness History Exhibition“ direkt in Dublins Zentrum erzählt vom Osteraufstand 1916 und gestaltet das Ganze mehr als lebendig.
  • Tickets für ein Gaelic Football-Spiel im Croke Park kaufen – traditionell gälische und sehr interessante Sportart!

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