London. Obwohl die Stadt der Queen riesig ist, fühlt man sich sehr schnell daheim. Die Feierabendbiere werden hier viel größer zelebriert als in Deutschland, Freitagabend sind die Pubs brechend voll. Gerade laue Sommerabende verzauberten die Stadt. Für eine Firma zu arbeiten, die Reisen verkauft, hatte so einige Vorteile: wir konnten die Warner Bros. Studios besuchen, den Buckingham Palace von innen sehen, saßen direkt an der Quelle zu vielen Informationen über die Sehenswürdigkeiten des Landes und vieles mehr.

Anfang August war mein Praktikum in Großbritannien dann zu Ende und ich musste die Briten nach einem Abstecher zur London Film & Comic Con (eine dreitägige Veranstaltung, die mein Nerd-Herz sehr, sehr glücklich gemacht hat) wieder sich selbst überlassen, gemeinsam mit ihren Brexit-Problemen. Eine wunderbare Zeit mit großartigen Menschen, die ich kennen lernen durfte, und tollen Events war nun schon vorbei. In Deutschland war ich allerdings nur wenige Tage, denn das Auslandsstudium wartete schon darauf, mein Leben nochmals auf den Kopf zu stellen. Einmal um den Erdball herum landete ich in dem Land, das halb so viele Einwohner hat wie die Stadt aus der ich gerade kam, dafür etwa 30 Millionen Schafe: Neuseeland.

Als Freemover bewarb ich mich bei der IPU in Palmerston North, eine japanische Universität (mit einem Überangebot an Reis und traumhaften japanischen Kirschblütenbäumen) auf der Nordinsel mit einem bunten Mix aus zum größten Teil Kiwis und Japanern, aber auch Menschen aus der ganzen Welt. So kann ich das Glück meines Auslandsjahres noch immer nicht fassen: ich kam von meiner Wunschstadt in mein Traumland, London wie Neuseeland hatte ich schon seit Beginn meines Studiums als (damals noch utopisches) Ziel im Hinterkopf. Und nun bin ich hier.

Die Neuseeländer sind anders als die Engländer. Alles ist „sweet as“, wenn sie „heaps of” sagen, meinen sie „sehr viel“ und sie sind Fans von „Hangi“, ein für die Maori typische Art zu kochen, mit heißen Steinen unter der Erde. Wellingtons Bewohner wirken noch bunter als die Londons. Obwohl die All Blacks den Rugby World Cup nicht gewonnen haben, wurde jedes Spiel mit großer Aufregung erwartet und auch wenn der Haka der Mannschaft von manchen gerne als etwas Fake bezeichnet wird, ist er trotzdem jedes Mal aufregend zu sehen.

Die Ähnlichkeiten zu Großbritannien sind aber nicht außer Acht zu lassen: die Queen ist immer wieder sehr präsent in den Nachrichten und Marmite ist hier mindestens genauso beliebt wie im Vereinigten Königreich. Auch hier wurde am 5. November Guy Fawkes mit einem Feuerwerk geehrt, die Kiwis sehen Fish&Chips als Nationalgericht und die Trinkkultur tendiert dazu, ähnliche extreme Ausmaße anzunehmen.

Nach meinem Studium werde ich mich zur Südinsel aufmachen und noch einige Wochen durch das Land streifen, mehr Herr-der-Ringe-Drehorte entdecken und die Natur genießen. Dass ich die Zeit hier nicht so schnell vergessen werde, weiß ich allerdings schon jetzt.

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