Was ist die Besonderheit einer Botschaft?

Eine Botschaft ist eine diplomatische Vertretung Deutschlands im Ausland. Generell gesprochen kümmert sich eine Botschaft um Deutsche, die sich in dem Land, in dem die Botschaft ansässig ist, befinden und um jene Bewohner dieses Landes, die nach Deutschland reisen möchten. Somit ist auch die Deutsche Botschaft in Kathmandu eine solche Auslandsvertretung, die sich aus den folgenden Bestandteilen zusammensetzt.

Wie ist die Botschaft strukturiert und wo bin ich eingesetzt?

Die Deutsche Botschaft in Kathmandu ist eine verhältnismäßig kleine Botschaft mit ungefähr 10 aus Deutschland Entsandten. Als Praktikantin in einer derart kleinen Botschaft erhalte ich vielfältige Einblicke in den Visabereich, die Administration, Konsularthemen, Kulturförderung und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Rechts- und Konsularangelegenheiten: Täglich suchen viele Nepalis die Deutsche Botschaft auf, um ein Visum für einen Aufenthalt in Deutschland zu beantragen. Dabei spielen verschiedene Motivationen eine Rolle wie beispielsweise ein Studium in Deutschland, ein Sprachkurs oder eine Familienzusammenführung. Als Praktikantin kann ich darin unterstützen, Visainterviews durchzuführen, was sehr spannend ist, da ich sehr viel über die persönlichen Motivationen der Antragsteller erfahre.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit: Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit ist ein Schwerpunktbereich in den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Nepal und somit in der Botschaft sehr wichtig. Diese Beziehungen belaufen sich auf staatliche (GIZ, PTB, KfW), nicht-staatliche (Kirchen, Stiftungen, NGOs) und regionale Zusammenarbeit (SAARC, ICIMOD) zwischen Deutschland und Nepal. Die deutsche bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mit Nepal ist auf drei Schwerpunkte ausgerichtet, die sich an den aktuellen Problemen des Landes und den Entwicklungszielen der nepalesisch-deutschen Partnerschaft orientieren:

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Handelsförderung
  • Erneuerbare Energien / Energieeffizienz
  • Gesundheit / Familienplanung

Kulturförderung: Die Deutsche Botschaft Kathmandu unterstützt die Kulturhilfe Deutschlands zum Erhalt von Baudenkmälern und Schriften in Nepal anhand von Projekten in der Nachbarstadt Bhaktapur oder dem bekannten Tempel Swayambhunath. Jüngstes Projekt ist die im Jahr 2001 abgeschlossene Sanierung des Chhusya Bahal, eines kleinen Innenhof-Klosters des newarischen Buddhismus in Kathmandu. Im Gespräch mit Architekten oder anderen Partnern erlebe ich die Schwierigkeiten der Kulturförderung hier in Nepal, die seit den Erdbeben im Frühjahr 2015 noch lange nicht abgeschlossen ist.

Menschenrechte: Auch im Bereich der Menschenrechte engagiert sich die Botschaft in Nepal und unterstützt verschiedene Projekte. Beispielsweise zum Tag der Menschenrechte und Menschenrechtsverteidiger wurde in der Botschaft eine spannende Veranstaltung ausgetragen, zu der Vertreter der internationalen Organisationen sowie lokale Aktivisten eingeladen waren.

Wie sieht mein Arbeitsalltag aus?

Die Botschaft orientiert sich in der Regel an den deutschen Arbeitszeiten und hält deutsche Feiertage ein. Somit ist mein Arbeitsalltag ebenso wie in meinen vorherigen Praktika in Deutschen Stiftungen sehr geregelt und routiniert. Einmal in der Woche nehmen die 1 – 2 Praktikanten an der Visa- und Konsularrunde teil, um ein Protokoll darüber zu verfassen. Zudem findet einmal in der Woche eine Mitarbeiterrunde der aus Deutschland Entsandten statt. Darin werden aktuelle Themen und besondere Vorkommnisse besprochen. Abgesehen davon behandeln die Praktikanten anfallende Aufgaben verschiedenster Art, sodass ein sehr vielfältiger Eindruck in das Wirken der Botschaft entsteht. So verfassen Praktikanten häufig Texte für die Website der Botschaft, recherchieren zu konkreten Themen oder nehmen an Veranstaltungen teil.

Hat mich mein Studiengang IRM auf das Praktikum vorbereitet?

Da sich der Studiengang International Relations and Management an der OTH Regensburg aus Politischen, Wirtschaftlichen, Kulturellen und sogar Rechtlichen Themen zusammensetzt eignet er sich ideal als Vorbereitung auf ein Praktikum in einer Botschaft. Politisch sollte sich ein Praktikant, der wie in Kathmandu in verschiedenen Bereichen Einblicke erhält, in der Lage sein, sich in aktuelle brennende Themen einzuarbeiten. Wirtschaftlich sollte er mit den Hauptachsen deutscher Unterstützung und einem Grundverständnis für Wirtschaft vertraut sein. Kulturell werden Praktikanten bereits dadurch gefordert, dass ein Großteil der Beschäftigten der Botschaft Nepalis sind. Rechtlich ist allerdings wohl keine Vorbereitung jemals ausreichend, um mit den Feinheiten des nepalesischen oder gar deutschen Rechtssystems genügend vertraut zu sein. In allen Bereichen ist eine generelle Basis definitiv nützlich und erleichtert einen Großteil der Arbeit. Doch das Tagesgeschäft ist derartig vielfältig, dass sich darauf kaum vorbereitet werden kann. Da heißt es eher, es erst einmal auf sich zukommen zu lassen und beizeiten ein oder zwei kluge Fragen zu stellen.

Was nehme ich aus dem Praktikum mit?

Aus dem Praktikum nehme ich so viel Kleines und Großes mit, das sich nach nur wenigen Wochen noch gar nicht klar sagen lässt. Vieles wird sich wohl bei der nächsten Reise oder beim nächsten Praktikum in einem anderen Land zeigen, wenn ich mit einer anderen Botschaft in Kontakt treten werde. Denn dann weiß ich zumindest ansatzweise, was sich hinter der Fassade abspielt und habe ein deutlich klareres Bild vom Spektrum einer Botschaft, das doch so viel mehr als bloß Visaangelegenheiten ist.

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich mein Praktikum in der Botschaft sehr bereichert. Es bringt mir eine weitere Facette deutschen Engagements im Ausland näher und sensibilisiert mich darin, Deutschland in einem anderen Land zu vertreten. Besonders froh bin ich allerdings, mein Praktikum in einer Botschaft zu absolvieren, die vergleichsweise klein ist und so tiefe Einblicke in jeden einzelnen Bereich erlaubt. Gerade dadurch ist dieses Praktikum ein voller Erfolg, den ich genauso wieder wählen würde.

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