{"id":59,"date":"2016-02-08T14:40:46","date_gmt":"2016-02-08T14:40:46","guid":{"rendered":"https:\/\/sofagoesabroad.wordpress.com\/?p=59"},"modified":"2016-10-17T07:54:36","modified_gmt":"2016-10-17T07:54:36","slug":"warum-weg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/en\/warum-weg\/","title":{"rendered":"Warum weg?"},"content":{"rendered":"<p>Eine der meistgestellten Fragen in den ersten Tagen in La Paz war bisher: Warum Bolivien? Warum verl\u00e4sst man als Europ\u00e4er die scheinbar so tolle Heimat? Und warum dann ausgerechnet Bolivien?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zweifelsohne sind diese Fragen berechtigt, und auf die Frage warum ausgerechnet Bolivien das Ziel meines Auslandssemesters sein soll, kann ich recht schnell Gr\u00fcnde finden. Die besondere andine Landschaft, die mich seit dem ersten Tag in ihren Bann gezogen hat, die geographische und kulturelle Distanz zu Deutschland. Nat\u00fcrlich die M\u00f6glichkeit Spanisch zu lernen und auch der Stolz der Bolivianer auf die eigene indigene Kultur machen Bolivien f\u00fcr mich pers\u00f6nlich zu einem grandiosen Reiseziel, das einen tieferen Einblick als den touristischen verdient.<\/p>\n<p>Schon schwieriger wird es die grunds\u00e4tzliche Frage zu beantworten, warum man \u00fcberhaupt weg will. Warum weg? Weg von vielem und vielen Vertrauten, weg von den Leichtigkeiten eines Studentenlebens in Deutschland. Weg von Familie, weg von Freunden, weg von fast Allem was ich \u00fcber Jahre lieben gelernt habe.<\/p>\n<p>Ich denke in diesem Fall ist die Antwort immer eine pers\u00f6nliche, denn den einen gemeinsamen Grund, der das Fernweh erweckt gibt es wohl nicht.<\/p>\n<p>Zum Nachdenken hat mich dabei die Frage eines bolivianischen Kommilitonen gebracht, ob denn die Familien Strukturen in Deutschland so verkommen w\u00e4ren, dass ich davon Abstand nehmen will. Ich pers\u00f6nlich kann sagen, dass ich in einer grandiosen Familie aufwachse, die mich bei meinen Unternehmungen unterst\u00fctzt und der allein ich es zu verdanken habe, jetzt an einem Blog \u00fcber Auslandserfahrungen mitzuwirken, w\u00e4hrend ich in La Paz einen Mate Tee trinke. Ich bin mir inzwischen sicher, dass ich nur durch den besonderen R\u00fcckhalt, den mir meine Familie gibt, mental \u00fcberhaupt erst in der Lage bin den Schritt nach S\u00fcdamerika zu wagen.<br \/>\nGleichzeitig ist es vielleicht auch einer der unterbewussten Gr\u00fcnde \u00fcberhaupt aufzubrechen, um so die Beziehung zu Familie und Freunden noch zu intensivieren. Denn tats\u00e4chlich ergibt sich ein kleines Paradoxon, seit ich Deutschland Ende Januar f\u00fcr ein paar Monate \u201eServus\u201c gesagt habe. Die gr\u00f6\u00dfere r\u00e4umliche Distanz f\u00fchrt in einigen F\u00e4llen zu engerem Kontakt mit Leuten, die vorher eher eine Randerscheinung im Regensburger Alltag waren. Pl\u00f6tzlich schreiben mir wieder alte Freunde, mit denen der Kontakt etwas eingerostet war, und Familienangeh\u00f6rige, mit denen der Kontakt bisher fast ausschlie\u00dflich an gro\u00dfen Familienfesten stattgefunden hatte, jedoch nie tiefgr\u00fcndig pers\u00f6nlich wurde. Das bereichert den Start in Bolivien ungemein und ist ein unerwarteter aber angenehmer Nebeneffekt der Reise auf einen anderen Kontinent.<\/p>\n<p>Der Hauptgrund jedoch, sich \u00fcberhaupt ins Abenteuer zu st\u00fcrzen ist die tiefe \u00dcberzeugung, dass Lernen nur durch Erfahrung stattfindet. Im wahrsten Sinne des Wortes ist die Erfahrung umso intensiver wenn man wirklich mal dort war. Deswegen spielt es in meinen Augen auch eine untergeordnete Rolle, wo man hinf\u00e4hrt. Denn nur durch pers\u00f6nliche Erfahrung wird die Dimension und Tiefe des Neuen, das wir alle mitbekommen, wirklich sp\u00fcrbar und lernbar. Ich k\u00f6nnte hierbei nicht mehr mit Alexander Humboldt \u00fcbereinstimmen, der bekannterma\u00dfen feststellte, dass die gef\u00e4hrlichste Weltanschauung die derer sei, die die Welt nie angeschaut haben. Und selbstverst\u00e4ndlich ist dann eine Erfahrung im vermeintlich aufregenden S\u00fcdamerika nicht mehr wert als ein Auslandssemester in Europa.<\/p>\n<p>In diesem Sinne, st\u00fcrzt euch hinein, liebe Freunde, in eine Erfahrung die durch keine Schulb\u00fccher, Manuskripte und auch nicht durch Erz\u00e4hlungen simuliert werden kann. Werdet nicht m\u00fcde euch selbst auf die Probe zu stellen und genie\u00dft eure Zeit in allen Teilen der Welt. Und vor allem: Macht keinen Wettstreit draus, die sensationellsten, schrillsten und sogar gef\u00e4hrlichsten Erfahrungen zu sammeln. Sammelt die Erfahrungen intensiv! Nur so wird das wahre Potential des Lernens ausgesch\u00f6pft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine der meistgestellten Fragen in den ersten Tagen in La Paz war bisher: Warum Bolivien? Warum verl\u00e4sst man als Europ\u00e4er die scheinbar so tolle Heimat? 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