{"id":5433,"date":"2018-07-26T06:56:17","date_gmt":"2018-07-26T06:56:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/?p=5433"},"modified":"2018-07-26T07:20:40","modified_gmt":"2018-07-26T07:20:40","slug":"leben-in-myanmar-der-zweite-monat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/en\/leben-in-myanmar-der-zweite-monat\/","title":{"rendered":"Leben in Myanmar &#8211; Der Zweite Monat"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><b>Leben \u2022 Arbeiten \u2022 Wohnen in Yangon: Und schon ist der zweite Monat rum!<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\">Auf dem Weg zur <a href=\"http:\/\/www.mohinga.de\/2018\/06\/search-der-erste-monat\/\">Arbeit<\/a> l\u00e4uft ein gro\u00dfer roter Regenschirm vor mir her. Dann kommt ein kleiner pinker dazu, dann ein riesiger blauer und schon laufe ich in ein Meer an Regenschirmen. Unter vielen lugt ein kn\u00f6chellanger Rock hervor, h\u00e4ufig farbig verziert und eng gebunden. Manche halten ihre Schirme h\u00f6her, andere noch h\u00f6her, um sich ihren Weg durch die Schirmansammlung an Bushaltestellen oder Kreuzungen zu bahnen. Manchmal entschleunige ich meinen Gang und passe mit den Myanmaris um mich herum an. Doch allzu lange halte ich es selten aus und \u00fcberhole stattdessen einen nach dem anderen. Die <a href=\"http:\/\/www.mohinga.de\/2018\/07\/50-tage-in-yangon\/\">Regenzeit<\/a> entschleunigt, so sagen sie. Da muss ich ja wirklich bis zum Sommer bleiben, um das zu \u00fcberpr\u00fcfen! Glauben kann ich es n\u00e4mlich ehrlich gesagt noch nicht, dass im Sommer hier alles schneller vor sich geht.<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Alltag auf den Stra\u00dfen: L\u00e4ngst Gewohnheit<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\">Manchmal wundere ich mich, dass ich immer noch in Myanmar bin. Ich bin in \u201eHarry\u2019s Bar\u201c im Westen der Stadt, trete aus der T\u00fcr und stehe &#8211; <a href=\"http:\/\/www.mohinga.de\/myanmar\">immer noch in Myanmar<\/a>. Es ist faszinierend, wie normal das bereits geworden ist. Auf den Stra\u00dfen schockt mich vieles nicht mehr, l\u00e4sst mich gar kalt und weckt kaum Erstaunen. R\u00f6cke, hier Longyi genannt, werden von M\u00e4nnern wie Frauen getragen. Zu Beginn fand ich es witzig und konnte dar\u00fcber lachen, dass auch die professionellsten Business M\u00e4nner ihren Wickelrock wie einen Schlauch-Schal tragen und dazu ein feines Hemd anziehen. Doch mittlerweile ist auch das normal geworden. Die M\u00e4dchen und Frauen tragen sch\u00f6ne R\u00f6cke in verschiedensten Farben und Mustern. Oft gibt es dazu eng anliegende und ma\u00dfgeschneiderte Blusen, die in Stil und Farbkombination harmonieren. Die Longyis der M\u00e4nner haben meist Karo-Muster in verschiedenen Farben. H\u00fcte sehe ich auch h\u00e4ufig auf den Stra\u00dfen \u2013 flach, spitz und rund werden sie oft aus Bambus-Rohr hergestellt.<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Brot, ein seltenes Gut<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\">Irgendwie ist alles lauter als in Deutschland. Mittlerweile sitze ich im Four Seasons Caf\u00e9 &amp; Bakery, einer B\u00e4ckerei, die wirklich durch und durch myanmarisch ist. Auf dem Men\u00fc steht ganz oben Sunkist Juice, der zwar unter Seasonal Fruit Juice aufgelistet wird, aber mit Seasonal und Fruits nicht mehr viel zu tun hat. Fanta auf Myanmar k\u00f6nnte man auch dazu sagen &#8211; der Renner in allen Caf\u00e9s und Restaurants! Doch auch Fresh Fruit Juices gibt es hier, die aus Limetten, Orangen, \u00c4pfeln, Ananas oder Wassermelonen gemischt werden. 1,000 Kyat, also 62 Cent kosten die S\u00e4fte hier im 300ml Glas. Das ist gerade f\u00fcr den Ort des Caf\u00e9s wirklich wenig &#8211; in der gro\u00dfen Junction Square Mall gibt es die besten Marken und wirklich teure L\u00e4den. Sanchaung hei\u00dft das Stadtviertel, das dieses Koloss von Mall bedient. Und Sanchaung ist bekannt f\u00fcr die vielen Ausl\u00e4nder, die hier wohnen. So habe ich schon mehrfach Ausl\u00e4nder hier beim Einkaufen gesehen und bin gerade meiner ehemaligen Mitbewohnerin \u00fcber den Weg gelaufen.<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Kaffee in Myanmar &#8211; Ein spezieller Fall<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\">Hier im Caf\u00e9 gibt es selbstgebrauten Kaffee, den sogenannten \u201eToday\u2019s Brew\u201c. Tats\u00e4chlich wird in Myanmar in h\u00f6her gelegenen Regionen Kaffee angebaut. Erstaunlich, dass Nescaf\u00e9 doch noch weit verbreitet ist. Auch l\u00f6slichen Kaffe gibt es h\u00e4ufig &#8211; sehr beliebt in der Dreierkombination. 3 in 1 nennt sich die Ekelbr\u00fche (sooooorry!) von l\u00f6slichem Kaffeepulver, fett Zucker und fett Milchpulver. Ich sollte wohl nicht so hart urteilen, aber es ist wirklich nicht das Leckerste. Und doch schrecklich weit verbreitet! Grund ist vermutlich die Instabilit\u00e4t des Stromnetzes, die lange dazu f\u00fchrte, dass der Strom h\u00e4ufig unterbrochen war. Erst seit einigen Jahren kann man sich auf die Elektrizit\u00e4t gr\u00f6\u00dftenteils verlassen und auch dann gibt es ab und zu Stromausf\u00e4lle. Auch in unserem B\u00fcro schaltet der Letzte abends den Strom ab, damit \u00fcber Nacht kein Brand ausbrechen kann. So h\u00e4lt sich keine Milch im K\u00fchlschrank und wird stattdessen durch Milchpulver ersetzt. Da war das <a href=\"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/hanoi-gewinner-schreiben-geschichte\/\">Wochenende in Hanoi<\/a> doch leider eine geniale Abwechslung!<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Alles ein wenig anders\u2026<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\">Ganz generell l\u00e4uft hier vieles ein wenig anders und allzu oft muss ich den Kopf sch\u00fctteln. <a href=\"http:\/\/www.mohinga.de\/2018\/05\/myanmar-wird-gruen-und-ich-auch\/\">Es sch\u00fcttet t\u00e4glich &#8211; gie\u00dft gar in K\u00fcbeln<\/a>. Resultat: kaum einer tr\u00e4gt Schuhe. Vor dem B\u00fcro sammeln sich Haufen an Flipflops aller Form und Farbe, die alle eins gemeinsam haben: sie sind durch und durch aus Plastik. Denn vieles schimmelt schnell in der Regenzeit, wenn die Luftfeuchtigkeit selten unter gef\u00fchlte 99% sinkt. Reisep\u00e4sse, iPad-H\u00fcllen, Kleidung &#8211; die Schuhe nicht ausgenommen. So muss doch allzu oft ein Desinfektionsspray her, um das schlimmste \u00dcbel zu beseitigen. Nach zwei Monaten sind wir umgezogen und wohnen nun wirklich im Stadtzentrum. In unserer neuen Wohnung sind die W\u00e4nde wei\u00df gekachelt &#8211; nicht so unbedingt mein Geschmack, aber in der Regenzeit vermutlich wirklich die beste Erfindung. Nun l\u00e4uft der Ventilator 24 Stunden pro Tag, um immerhin die Luft zirkulieren zu lassen. Zuvor haben wir oft die Klimaanlage laufen gelassen, doch wie viel Energie dies verbraucht, das will man sich wohl gar nicht vorstellen. Frage: wie viel Energieaufwand ist es wert, eine schimmelfreie Wohnung zu haben? F\u00fcr meinen Geschmack ganz sch\u00f6n viel\u2026<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Husch, Husch<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\">In der N\u00e4he der neuen Wohnung gibt es Obstst\u00e4nde wie wir sie in Deutschland kaum kennen. Es sind Karren, auf denen Gem\u00fcse drapiert ist und die oft auch mobil genutzt werden k\u00f6nnen. Als wir neulich Gem\u00fcse kaufen wollten, sah Felix eine Ratte durch das Gem\u00fcse auf dem Karren laufen. Direkt zwischen K\u00fcrbis und Gr\u00fcnzeug sucht sie sich ihren Weg und huscht durch die Gem\u00fcseberge. Doch was macht man dann? Unser Gedanke war, zum n\u00e4chsten Stand zu gehen. Doch der n\u00e4chste Gedanke kam direkt hinterher: Wenn hier Ratten sind, wo sind sie dann nicht?<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Peripherie<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\">Doch es gibt auch einige St\u00e4nde, die Mangos und Bananen verkaufen. An anderen gibt es Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch &#8211; auch eine g\u00e4ngige Kombi. Doch mein <a href=\"http:\/\/www.mohinga.de\/2018\/06\/essen-und-sonstige-nebensaechlichkeiten\/\">aktuelles vegetarisches Lieblingsessen<\/a> sind mit Abstand die Chapati-W\u00e4gen im muslimischen Viertel, in dem wir hier wohnen. Direkt vor der Nase werden die Teigfladen zubereitet und ganz nach Geschmack mit Zucker, Kondensmilch oder arabischen Nachspeisen serviert. G\u00e4ngig ist auch die \u00f6lige Version: Paratha in \u00d6l gebraten, mit einem Ei bestrichen und dann mit Kondensmilch und ein wenig Zucker garniert. Zucker kann man auch weglassen &#8211; aber das ist einfach herrlich! So ist es gar nicht selten, dass wir durch die Stra\u00dfen ziehen und es uns hier und da schmecken lassen. Gebratene Wachtel-Eier sind zwar sicherlich auch nicht das Beste f\u00fcr den Cholesterin-Spiegel, aber ab und zu auch nicht verkehrt\u2026<\/p>\n<p class=\"p4\"><b>Mix, Mixiger, Myanmar<\/b><\/p>\n<p class=\"p3\">Es ist schon verr\u00fcckt, man erlebt hier wirklich immer wieder \u00dcberraschungen! Hochwertige Kosmetik-Shops befinden sich in unserer Stra\u00dfe direkt neben zig aneinander gereihten \u201eCar Air Con\u201c Shops, die allesamt die gleichen Klimaanlagen f\u00fcr Autos verkaufen. Wie so oft gibt es auch hier kein Abheben der Konkurrenz, keine Besonderheiten, sondern schlicht und ergreifend das Gleiche. Links und rechts, wohin man schaut: Klimaanlagen f\u00fcr Autos. Es ist immer wieder faszinierend, dass sie damit wirklich Gewinn machen. Betriebswirtschaftlich gesprochen ist es jedenfalls nicht sehr gewinnbringend. Doch irgendwie scheinen hier ja alle \u00fcber die Runden zu kommen. Auch die Besitzer der kleinen Kioske, die zu Minimalpreisen gezuckerte Kondensmilch, N\u00fcsse, Nudeln oder Snacks anbieten verdienen damit ihr Monatseinkommen. Umso krasser der Unterschied zur Espresso-Bar, die in einer Nebenstra\u00dfe liegt. Dort gibt es Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr 5,000 bis 9,000 Kyat, immerhin f\u00fcr gut 3\u20ac bis knapp 6\u20ac. Unerschwinglich f\u00fcr viele, die hier Seite an Seite leben. Wie denken sie wohl \u00fcbereinander? Wie denken sie \u00fcber uns Ausl\u00e4nder? Denken sie auch, wir h\u00e4tten Geld ohne Ende und k\u00f6nnten uns alles leisten? Myanmar ist ein Mix. Eine Welt, die sich mit hoher Geschwindigkeit entwickelt und dabei sicherlich nicht allen gleiche M\u00f6glichkeiten bietet. Noch ist es traditionell, noch gibt es die kleinen Tea-Shops mit Hockern auf Knie-H\u00f6he. Die kleinen Kioske und lokalen M\u00e4rkte pr\u00e4gen das Stra\u00dfenbild. Doch schon jetzt findet man in vielen Stra\u00dfen Ketten wie \u201eCity Marts\u201c und \u201eGrab and Go\u201c, die stark an die Seven Eleven L\u00e4den erinnern. Es wird spannend, mitzuverfolgen, wie Myanmar weiter voranschreiten wird. Und es ist gut, jetzt hier zu sein. Noch gibt es beide Welten!<\/p>\n<p>Auf <a href=\"http:\/\/www.mohinga.de\">MOHINGA<\/a> gibt es mehr zum Lesen \u00fcber Myanmar\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leben \u2022 Arbeiten \u2022 Wohnen in Yangon: Und schon ist der zweite Monat rum! Auf dem Weg zur Arbeit l\u00e4uft ein gro\u00dfer roter Regenschirm vor mir her. 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