{"id":5422,"date":"2018-07-25T10:04:03","date_gmt":"2018-07-25T10:04:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/?p=5422"},"modified":"2018-07-25T10:22:36","modified_gmt":"2018-07-25T10:22:36","slug":"hanoi-gewinner-schreiben-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/en\/hanoi-gewinner-schreiben-geschichte\/","title":{"rendered":"Hanoi &#8211; Gewinner schreiben Geschichte"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"p3\"><b>Wochenende in Hanoi \u2013 Auf den Spuren der Franzosen<\/b><\/h2>\n<p>Aus Myanmar ist Hanoi gar nicht weit weg und es ist verf\u00fchrerisch, ab und zu mal einen kleinen Ausflug in die umliegenden L\u00e4nder zu unternehmen. Da ist das Erneuern des Visums ein wunderbarer Anlass\u2026<\/p>\n<h3><b>Leicht unterwegs<\/b><\/h3>\n<p class=\"p5\">In Hanoi anzukommen, h\u00e4lt einige \u00dcberraschungen bereit. Der Flughafen ist sehr modern und wir sehen hier alleine schon mehr Touristen als in 50 Tagen Yangon zusammen. Zwei Spanier quatschen uns in gebrochenem Spanisch an, wo man denn Geld wechseln oder abheben k\u00f6nne, stehen allerdings inmitten von 10 ATMs und Wechselstuben. Als sie dann einen Euro in vietnamesische Dong wechseln (1\u20ac = 27,000 VND), wundern sie sich, warum sie daf\u00fcr keine Flasche Wasser bekommen. Vielleicht ist das Vietnam doch ein Land, das nicht nur Backpacker und Abenteurer, sondern auch eine andere Art Tourismus anzieht. Der Flughafen ist super gut angebunden und bringt uns f\u00fcr 30,000 VND (1,11\u20ac) mit dem Shuttle-Bus ins Stadtzentrum. Wir steigen schon am gro\u00dfen Ho Tay See im Norden aus und spazieren durch das belebte Viertel.<\/p>\n<h3 class=\"p3\"><b>Streifzug durch Hanoi &#8211; Gefangen zwischen Moderne und Tradition?<\/b><\/h3>\n<p class=\"p5\">Hanoi ist ein spannender Mix zwischen Bangkok und Yangon. Viel ist hier in Hanoi weit entwickelt und gut durchdacht. Es gibt weite Stra\u00dfen, viele Parks, und einige Seen, die sicherlich viel CO2 aus der Luft filtern. B\u00fcrgersteige leiten den Weg durch die Stadt und erm\u00f6glichen es, zu Fu\u00df gro\u00dfe Teile der Innenstadt zu erreichen. Sowieso laufen wir immer unglaublich viel und legen den Gro\u00dfteil der Erkundungstouren in Bangkok, Hanoi und Yangon zu Fu\u00df zur\u00fcck. Dadurch wird der Eindruck tiefer und gleichzeitig weiter, weil mehr Verbindungen zwischen einzelnen Sehensw\u00fcrdigkeiten entstehen. Mit der Zeit bekomme ich doch immer schnell eine gute Orientierung und finde mich auch nach einem Tag in Hanoi schon erstaunlich gut zurecht. Viel l\u00e4sst sich aber auch durch die Busse erreichen, f\u00fcr die es sogar einen verst\u00e4ndlichen Busplan als PDF gibt. Auch eine App f\u00fcr Hanoi haben wir uns zugelegt, in der eine Offline Map viele touristische Attraktionen anzeigt. Doch das eigentlich Spannende ist letztlich doch immer, einfach durch die Stadt zu streifen und frei Schnauze die Stimmung der Stadt aufzusaugen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1534\" aria-describedby=\"caption-attachment-1534\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1534\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.mohinga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/2018-07-07-08.07.38-1024x768.jpg?resize=640%2C480\" alt=\"Fr\u00fchst\u00fcck in Hanoi: Petit D\u00e9jeuner \u00e0 la Fran\u00e7aise\" width=\"640\" height=\"480\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1534\" class=\"wp-caption-text\">Fr\u00fchst\u00fcck in Hanoi: Petit D\u00e9jeuner \u00e0 la Fran\u00e7aise<\/figcaption><\/figure>\n<h3 class=\"p3\"><b>Hanoi vegetarisch kulinarisch<\/b><\/h3>\n<p class=\"p5\">Dass die Malls fehlen, f\u00e4llt mir erst auf, als wir schon wieder im Bus zur\u00fcck zum Flughafen sitzen. Gro\u00dfe Einkaufsh\u00e4user sucht man im Stadtbild vergeblich und wir finden keine \u00fcberdimensionierten Superm\u00e4rkte wie in Bangkok. Auch gibt es kein Metro-System, noch kein Skytrain-Netz und keinen Stau. Die Beauty-Kliniken, die in Bangkok die Stra\u00dfen s\u00e4umten, fehlen hier und belassen es bei Schaufenstern mit chicer Kleidung in feineren Stadtvierteln. In vieler Hinsicht ist Hanoi also doch traditionell geblieben. An jeder Ecke gibt es kleine Restaurants oder Saftl\u00e4den, die immer durch die Mini-Hocker erkennbar sind, die auf Schienenbeinh\u00f6he den Boden s\u00e4umen. Oft gibt es hier Pho, Nudelsuppe mit Fleischbr\u00fche, Fleischb\u00e4llchen und hausgemachten Nudeln aus Reismehl. Nicht gerade die Traumvorstellung von Vegetariern, aber auch Fr\u00fchlings- und Sommerrollen, Sushi oder Dumplings (gef\u00fcllte Teigtaschen) finden wir hier leicht. Es ist wirklich ein spannender Mix aus asiatischem Regionalkontext und vietnamesischen Besonderheiten. Leider k\u00f6nnen wir uns nicht so durchkosten wie wir es gerne w\u00fcrden, doch auch so gibt es viel zum Ausprobieren und Naschen. An einigen Stra\u00dfenecken entdecken wir Buns, Teigtaschen aus dem Dampfkochtopf, die (f\u00fcr Vegetarier) mit s\u00fc\u00dfer Bohnenpaste und sonst mit Fleischvariationen gef\u00fcllt sind.<\/p>\n<h3 class=\"p3\"><b>Auszeit von Asien &#8211; Willkommen in Paris<\/b><\/h3>\n<p class=\"p5\">Auff\u00e4llig ist schon nach wenigen Stunden in Hanoi, dass hier Ballungszentren bestehen, in denen ein Gro\u00dfteil der Touristen leben, in denen viele Expats wohnen oder in denen sehr viele Botschaften stehen. Es gibt im Osten der Stadt ein gro\u00dfes Viertel, das French Quarter genannt wird. Die franz\u00f6sischen Kolonialherren hinterlie\u00dfen hier einige Prachtbauten, die sich an Ruhm und Paris-\u00c4hnlichkeit gegenseitig \u00fcberbieten. Hier gibt es helle Steine, kleine Balkons, Ballustraden, Verzierungen und Caf\u00e9s an jeder Ecke. Vor allem liegt inmitten dieses kleinen Idylls das franz\u00f6sische Institut direkt neben dem Opernhaus von Hanoi. Ausstellungen laden zum St\u00f6bern ein und in den k\u00fchlen Innenr\u00e4umen der franz\u00f6sischen Bibliothek kann man gut wieder Kraft tanken. Doch dem franz\u00f6sischen Caf\u00e9 neben dem Eingang k\u00f6nnen wir dann doch nicht widerstehen und finden hier das mit Abstand beste Baguette der Stadt. Das K\u00f6rnerbaguette schmeckt wirklich haargenau wie Tiefenbacher K\u00f6rnerbr\u00f6tchen und das Baguette ist einfach k\u00f6stlich und hat die perfekte Pariser Baguette-Konsistenz. Ein Traum! Da ist uns gar nicht mehr so sehr nach vietnamesischer Pho-Suppe mit ordentlicher Fleischbr\u00fche und wir mampfen gen\u00fcsslich unsere Baguettes, Br\u00f6tchen und Croissants. Im Touristen-Viertel erwerben wir noch eine h\u00f6llisch teure Bonne Maman Brombeermarmelade &#8211; und das Frankreich-Feeling ist perfekt.<\/p>\n<h3 class=\"p3\"><b>Neu und Alt ganz nah beieinander<\/b><\/h3>\n<p class=\"p5\">Ein weiteres Zentrum ist das Old Quarter, das alte Viertel Hanois. Hier leben viele der Expats, die in Hanoi leben und arbeiten. Es liegt am gro\u00dfen Ho Tay See und ist von vielen kleinen Restaurants und Kiosken durchzogen. Als wir aus dem Airport-Shuttle-Bus aussteigen und hier ankommen, bin ich \u00fcberrascht, wie lokal und traditionell es hier trotz der fortgeschrittenen Entwicklung der Stadt noch ist. In den kleinen Stra\u00dfen gibt es viel zu sehen und so einige Blicke lassen Verwunderung aufkommen. Es sind kleinste Restaurants, viele Obstst\u00e4nde, kleine Kioske, die Dumplings oder Kleinwaren verkaufen. Zuckerrohr-Pressen sehe ich oft, an denen frischer Zuckerrohrsaft mit Limette gepresst wird. Viele Tempel s\u00e4umen die Stra\u00dfen und lassen Blicke hinter den Vorhang erhaschen. Sie sind prunkvoll und ausladend und beherbergen nicht selten enorm gro\u00dfe Buddha-Statuen.<\/p>\n<h3 class=\"p3\"><b>Parallelen ziehen<\/b><\/h3>\n<p class=\"p5\">Gerade im Vergleich zu Bangkok hat Hanoi noch viel mehr Charakter und einen richtigen Charme. An den gro\u00dfen Seen l\u00e4sst sich wunderbar verweilen und die weiten Stra\u00dfen laden zum Flanieren ein. Hier gibt es kleine Caf\u00e9s, die guten Kaffee aus der Kaffeemaschine servieren und die ihre St\u00fchle auf dem gro\u00dfen B\u00fcrgersteig ausbreiten. Es ist gr\u00fcn und belebt, doch nicht zu chaotisch. Der Verkehr erdr\u00fcckt die Stadt noch nicht, sondern scheint noch zu flie\u00dfen. Es gibt keine langen Staus und ewigen Ampelphasen wie in Yangon. Und\u2026 es gibt Baguette! Das Beste der Stadt war jedoch gar nicht so leicht zu finden. Da streunten wir gerade durch die Stadt auf dem Weg zum Opernhaus als wir pl\u00f6tzlich dem Franz\u00f6sischen Institut \u00fcber den Weg liefen. V\u00f6llig gl\u00fccklich sch\u00f6pften wir im gek\u00fchlten Eingangsbereich neue Energie und schauten uns eine audiovisuelle Ausstellung an, bevor wir auf dem Weg nach drau\u00dfen die kleine B\u00e4ckerei entdeckten. Und dort gab es tats\u00e4chlich ein derma\u00dfen formidables Baguette mit K\u00f6rnern und braunem Mehl, das wir ganz verga\u00dfen, wo wir waren. Und mit Blick auf das Opernhaus, die umliegenden Luxus-Hotels im Kolonialstil und die breiten Flanier-B\u00fcrgersteige habe ich tats\u00e4chlich ein wenig Heimweh nach Paris bekommen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1540\" aria-describedby=\"caption-attachment-1540\" style=\"width: 457px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1540 \" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.mohinga.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/2018-07-06-19.58.35-e1531326028609-1024x1016.jpg?resize=457%2C453\" alt=\"Ho Chi Minh Plakat in Hanoi - Propaganda bis heute?\" width=\"457\" height=\"453\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1540\" class=\"wp-caption-text\">Ho Chi Minh Plakat in Hanoi &#8211; Propaganda bis heute?<\/figcaption><\/figure>\n<h3 class=\"p2\"><b>Propaganda \u2013 Bis heute<\/b><\/h3>\n<p class=\"p3\">Unvorbereitet trifft mich jedoch nicht das koloniale, sondern das kommunistische Erbe der Stadt. Ich h\u00e4tte es nie gedacht, doch an vielen Ecken in der Stadt sieht man Plakate, die in satten Farben und einfacher Bildsprache gehalten sind. Viele zeigen Arbeiter, andere Revolutionsf\u00fchrer H\u1ed3 Ch\u00ed Minh h\u00f6chstpers\u00f6nlich. Mit seinem einpr\u00e4gsamen Bart und eindringlichen Blick erkennt man ihn auf jedem Plakat wieder. Fall richtig von Google Translater \u00fcbersetzt, sind die S\u00e4tze wohl gar nicht so revolution\u00e4r wie erscheinen: \u201eLove is good for you, useful for your family and good for the village, the country and the people.\u201c Doch die Bilder sprechen B\u00e4nde. Gehobene F\u00e4uste, bewaffnetes Volk, hart arbeitende B\u00fcrger. Alle haben sie stark rote Akzente und auf Hammer und Sichel ist Verlass. Dass es dies heute noch gibt, das hat mich wirklich vollkommen verbl\u00fcfft. Ich hatte damit gerechnet, in einem Museum ausgestellte Propaganda-Plakate besichtigen zu k\u00f6nnen. Doch dass diese noch heute das Stra\u00dfenbild pr\u00e4gen h\u00e4tte ich nie erwartet.<\/p>\n<h3 class=\"p2\"><b>Hoch erhoben<\/b><\/h3>\n<p class=\"p3\">So ist auch das Mausoleum von H\u1ed3 Ch\u00ed Minh ein weiteres Element in einer gro\u00dfen Kette an Erkenntnissen, wenn auch gleich das Extrem schlechthin. Eine riesige Parademeile s\u00e4umt das Mausoleum, das kalt und abweisend auf Beton-S\u00e4ulen thront. Im Hintergrund spielt Musik, die mitrei\u00dft und Siegesstimmung erzeugt. Davor spielen Kinder, sitzen Familien und verbringen viele ihren abendlichen Ausflug. Was sie wohl denken, frage ich mich. Was f\u00fchlen sie, wenn sie diese Musik h\u00f6ren, tagein, tagaus. Hinterfragen sie, was wir in Geschichtsb\u00fcchern lernen? Ach, ein verk\u00fcrztest Visa-Wochenende gen\u00fcgt keinesfalls um dies alles zu begreifen. Spannend ist es aber allemal und vielleicht ja auch nicht der letzte Ausflug in das wohl immer noch kommunistischste Land der Region. Vielleicht geht\u2019s dann f\u00fcrs n\u00e4chste Visum nach Ho Chi Minh City.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wochenende in Hanoi \u2013 Auf den Spuren der Franzosen Aus Myanmar ist Hanoi gar nicht weit weg und es ist verf\u00fchrerisch, ab und zu mal einen kleinen Ausflug in die umliegenden L\u00e4nder zu unternehmen. Da ist das Erneuern des Visums ein wunderbarer Anlass\u2026 Leicht unterwegs In Hanoi anzukommen, h\u00e4lt einige \u00dcberraschungen bereit. 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