{"id":4846,"date":"2017-01-16T20:00:55","date_gmt":"2017-01-16T20:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/?p=4846"},"modified":"2017-01-23T11:12:21","modified_gmt":"2017-01-23T11:12:21","slug":"einer-fuer-nepal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/en\/einer-fuer-nepal\/","title":{"rendered":"Einer f\u00fcr Nepal"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorbemerkung:<\/strong> Der nachfolgende Artikel soll keineswegs f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen und nicht als politische Abhandlung angesehen werden. Er versucht viel eher eine Ann\u00e4herung mit Augenzwinkern an eine Form der Politik, die in einer ganz anderen Kultur verankert ist.<\/p>\n<h3>Hoch lebe, ja wer eigentlich?<\/h3>\n<p>Als ich nach langem WG-Leben in Nepal in einer Gastfamilie unterkam, dachte ich mir schon, dass so einiges anders werden w\u00fcrde. Doch was mich hier erwartete, das h\u00e4tte ich mir nicht vorzustellen vermocht.<\/p>\n<p>Nehmen wir mal an, dass dieser Artikel nie auf Englisch \u00fcbersetzt wird. Und nehmen wir an, dass ganz fiktiv mein Gastvater ein Rechtsanwalt ist, der immer schon gerne mit der Macht ging. Der K\u00f6nig f\u00fchrt, hoch lebe der K\u00f6nig! Die Maoisten sind zur\u00fcck, hoch leben die Maoisten. Nepalesische Flexibilit\u00e4t, unbedingt notwendig bei 60 Regierungen in 51 Jahren. Nehmen wir also an, dass dieser free-lance Rechtsanwalt sich seit einem knappen Jahr f\u00fcr Politik interessiert und seither liebend gerne mitmischt, wo immer es m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>In dieser fiktiven Geschichte fehlt nur noch eine starke Frau, die im Hintergrund einen angehenden Politiker mit allen Kr\u00e4ften unterst\u00fctzt. Nennen wir diese Frau vielleicht Chanchal wie der Mond, der unerbittlich leuchtend Kraft schenkt. Doch interessiert sich diese solide Basis f\u00fcr das Schaffen ihres Mannes oder ist sie ganz im Gegenteil immun f\u00fcr die politischen Machtbestrebungen? Um die ganze Sache spannend zu machen, geben wir der Mondg\u00f6ttin ein politisches Desinteresse, das sich nur noch durch die Meinung komplettieren l\u00e4sst, Politik sei das letzte, was ein Land wie Nepal derzeit brauchen w\u00fcrde. Clever kombinierend hat sie l\u00e4ngst erkannt, dass die Politiker nur aus Selbstzweck ihre ach so wichtigen Machtpositionen innehaben, letztlich jedoch vor allem in die eigene Tasche wirtschaften.<\/p>\n<p>Einer solchen Kombination fehlt nun nur noch der Kontext, den wir einfach mal in dem kleinen Streifen Land zwischen China und Indien ansiedeln und Nepal nennen. Ganz stolz darauf, nie wirklich kolonialisiert worden zu sein, bewarben sich Nepalis gerne ihre Tradition, die Jahrtausende zur\u00fcckreicht und blo\u00df nicht ver\u00e4ndert werden soll. Denn, wo k\u00e4men wir denn da hin? So beginnt ein Tag im Leben eines solch aufstrebenden Politikers oft darin, im Pyjama und Winterjacke in die K\u00fcche zu kommen, die verschr\u00e4nkten Arme kurz zu l\u00f6sen und mit einem Zeigefinger ein &#8220;Mach Tee!&#8221; anzuordnen. Unwissenden Umstehenden erkl\u00e4rt er gerne, dass er theoretisch nat\u00fcrlich selbst Tee machen k\u00f6nne, dann jedoch die Sonne im Westen aufgehe. Da sich die Szene oft wiederholt, f\u00e4llt auf, dass die Sonne manchmal im Westen, meist jedoch im Norden aufgeht, sodass die nepalesische Bauernregel leicht in Frage gestellt werden muss. Verwandte berichten zudem, dass unser Politiker zwar kochen k\u00f6nne, jedoch nur ein Gericht Zustande bringe, das jedoch aus reinen Bratkartoffeln mit zu viel \u00d6l bestehe. Fraglich also, wie selbstst\u00e4ndig er trotz aller politischen Macht letztlich im eigenen Hause ist.<\/p>\n<p>Entgegen der landes\u00fcblichen Tradition und ganz zum Verdruss seiner Ehefrau hat er den G\u00f6ttern abgeschworen und verzichtet mittlerweile g\u00e4nzlich auf das t\u00e4gliche Gebet. Gute Ehefrau wie Chanchal es ist, bedeutet das doppeltes Gebet, das sie jedoch heimlich ausf\u00fchrt, um ihren Ehemann nicht zu erz\u00fcrnen. Doch wof\u00fcr sie genau betet wird wohl ewig unerkannt bleiben. Betet sie f\u00fcr daf\u00fcr, er m\u00f6ge das Land retten? Oder eher daf\u00fcr, dass er endlich lernt, sich vern\u00fcnftigen Chai mit weniger als drei L\u00f6ffeln Zucker pro Tasse selbst zu kochen?<\/p>\n<p>Wie ist so ein politischer Leader, wie er sich selbst nennt, im h\u00e4uslichen Alltag? Diskussionsbereit oder eher felsenfest von seiner eigenen Meinung \u00fcberzeugt? Professionell oder entspannt? Unser Held hat sich dazu klar bekannt: &#8220;Zuhause bin ich ganz normal, aber da drau\u00dfen, da bin ich 100% Professionell.&#8221; Fehlt nur noch, ihn einen Tag lang zu begleiten, um herauszufinden, wie recht er hat.<\/p>\n<p>So kommt es, dass ein ehemaliger Minister im Wohnzimmer auf dem Sofa sitzt, wenn ich aus dem B\u00fcro komme, ich jedoch fliehe, weil ich sonst keinem Kollegen mehr in die Augen gucken k\u00f6nnte. &#8220;Dev Gurung? In deinem Wohnzimmer? Ich hoffe, du hast ihm keinen Tee angeboten und ihn anschlie\u00dfend aus dem Haus gejagt. Verfluchte Maoisten!&#8221; Ja, die Meinung meines Kollegen war eindeutig.<\/p>\n<p>Doch wer wei\u00df, vielleicht werden wir uns in vielen Jahren daran erinnern und sagen, &#8220;wie gut, dass damals in Nepal der Maoismus \u00fcberlebt hat. Wo st\u00fcnden wir denn sonst heute?&#8221; Fraglich ist jedoch, ob Nepal jemals diesen Moment erleben wird oder ob nicht l\u00e4ngst davor Streiks so lange das Land lahmlegen, bis alle Nepalis emigrieren, um endlich mal wieder voran zu kommen. Und wer wei\u00df, vielleicht gibt es dann wieder einen K\u00f6nig und unser Held ruft &#8220;Der K\u00f6nig ist zur\u00fcck, hoch lebe der K\u00f6nig!&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung: Der nachfolgende Artikel soll keineswegs f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen und nicht als politische Abhandlung angesehen werden. Er versucht viel eher eine Ann\u00e4herung mit Augenzwinkern an eine Form der Politik, die in einer ganz anderen Kultur verankert ist. Hoch lebe, ja wer eigentlich? 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