{"id":451,"date":"2016-04-15T22:51:36","date_gmt":"2016-04-15T22:51:36","guid":{"rendered":"https:\/\/sofagoesabroad.wordpress.com\/?p=451"},"modified":"2016-10-17T07:54:35","modified_gmt":"2016-10-17T07:54:35","slug":"reise-in-die-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/en\/reise-in-die-vergangenheit\/","title":{"rendered":"Reise in die Vergangenheit"},"content":{"rendered":"<p>In Europa ist Lateinamerika heute leider nicht f\u00fcr viele tolle Sachen bekannt. Meistens drehen sich die Nachrichten um Drogen, politische Unruhen oder Steuerhinterzieher. Die Geschichte dieses Kontinents muss sich jedoch nicht vor der Europ\u00e4ischen verstecken. Und durch den Studienaufenthalt hier in Bolivien hab ich die grandiose M\u00f6glichkeit ein bisschen an der Oberfl\u00e4che zu kratzen und etwas tiefere Einblicke zu gewinnen. So geschehen am letzten Wochenende: Ich war mit meinem Kurs \u201ePatrimonio Cultural en Bolivia\u201c unterwegs. Der Professor hatte f\u00fcr den ganzen Kurs eine Reise nach Potos\u00ed und Sucre organisiert, um dort dem kulturellen Erbe Boliviens auf die Spur zu kommen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zuerst ging es sp\u00e4t abends los nach Potos\u00ed, und nach ca. 12 Stunden Busfahrt erreichten wir das um diese Uhrzeit sehr verlassene Busterminal m\u00fcde aber gespannt auf eine neue Stadt, von der mir vorher wehr wenig bekannt war, die aber eine bedeutsame Geschichte hinter sich hat. Gegr\u00fcndet wurde Potos\u00ed von den spanischen Konquistadoren als sie in einem die Stadt \u00fcberragendem H\u00fcgel auf eine Silberader stie\u00dfen, und schlie\u00dflich feststellten, dass fast der ganze Berg aus Silber und Mineralien bestehen zu schien. Durch die Gier der Spanier nach schnellem Reichtum gab es kein Halten mehr, und eine Metropole wurde aus dem Boden gestampft, die Mitte de des 16.Jh St\u00e4dte wie London und Paris in ihrer Bedeutung und Gr\u00f6\u00dfe bei weitem \u00fcberragte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch Gr\u00e4uel wie die Mita (eine Art Zwangsarbeit f\u00fcr die Indigene Bev\u00f6lkerung) wuchs und wuchs die Stadt, bis schlie\u00dflich der Silberpreis so stark fiel, und die Mine einfach leer war, dass es sich nicht mehr lohnte so viele Menschen in der Mine zu besch\u00e4ftigen. Nat\u00fcrlich waren die Menschen aber nun mal da, und blieben folglich dort, und mir scheint es als h\u00e4tte sich die Stadt seitdem kaum ver\u00e4ndert. Es wohnen zwar weniger Menschen dort, und nat\u00fcrlich gibt es moderne Technologie, doch von den einstigen Glanzzeiten zeugen nur noch der gigantische Plaza, eine riesige Kathedrale und die vielen Museen. Sonst scheint es eher trostlos. Gl\u00fccklicherweise steht die gesamte Altstadt als Weltkulturerbe unter Denkmalschutz und die H\u00e4user haben heute noch den wundersch\u00f6nen Stil einer wohlhabenden Kolonialmetropole, mit sehr engen Gassen, kleinen H\u00e4usern mit Balkonen, viele Kirchen und Marktpl\u00e4tze. Bis auf die wenigen Touristen wirkt die Stadt aber fast wie ausgestorben, das Leben der einheimischen spielt sich wohl woanders ab.<br \/>\nEin Highlight der Tour nach Potos\u00ed war sicherlich die Besichtigung einer Mine. Jeder bekam ein bisschen Schutzausr\u00fcstung und eine Stirnlampe und nachdem wir uns in einem kleinen Shop noch mit Coca-Bl\u00e4ttern, Dynamit und 96%igem Alkohol versorgt hatten um dem Minengott ein angemessenes Opfer zu bringen, stiegen wir durch einen kleinen feuchten Tunnel in das Innere des Cerro Rico. Unserem recht motivierten Tourguide war es zu verdanken, dass der Ausflug auch eine Spur Abenteuer hatte. Er lie\u00df es sich nicht nehmen, uns \u00fcber mehrere Strickleitern und Bretter ca. 50 Meter hinabsteigen zu lassen, sodass sp\u00e4testes nach der zweiten Kurve der letzte die Orientierung komplett verloren hatte. Da die Mine nach wie vor in Betrieb gehalten wird, konnten wir selbst manche Silberader bestaunen, an der noch gearbeitet wird. Insgesamt fand ich es sehr beeindruckend unter welch schaurigen Umst\u00e4nden Menschen immer noch dort arbeiten, und nach 2 Stunden war ich durchaus froh das Sonnenlicht wieder zu sehen.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"452\" data-permalink=\"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/en\/reise-in-die-vergangenheit\/dsc_2429\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.sofagoesabroad.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/dsc_2429.jpg?fit=4928%2C3264\" data-orig-size=\"4928,3264\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;3.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;NIKON D7000&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1428446630&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;18&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;800&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.4&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Hinab in die Mine\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.sofagoesabroad.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/dsc_2429.jpg?fit=790%2C523\" class=\"alignnone size-medium wp-image-452\" src=\"https:\/\/sofagoesabroad.files.wordpress.com\/2016\/04\/dsc_2429.jpg?w=300&#038;resize=300%2C199\" alt=\"Hinab in die Mine \" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.sofagoesabroad.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/dsc_2429.jpg?w=4928 4928w, https:\/\/i0.wp.com\/www.sofagoesabroad.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/dsc_2429.jpg?resize=300%2C199 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.sofagoesabroad.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/dsc_2429.jpg?resize=768%2C509 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.sofagoesabroad.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/dsc_2429.jpg?resize=1024%2C678 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.sofagoesabroad.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/dsc_2429.jpg?resize=1200%2C795 1200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.sofagoesabroad.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/dsc_2429.jpg?w=1580 1580w, https:\/\/i0.wp.com\/www.sofagoesabroad.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/dsc_2429.jpg?w=2370 2370w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag ging es dann weiter mit dem Bus nach Sucre, der offiziellen Hauptstadt Boliviens. Sucre hat \u00fcbrigens nichts mit dem franz\u00f6sischen Wort f\u00fcr Zucker zu tun, sondern wurde nach dem Freiheitsk\u00e4mpfer Antonio Jose de Sucre benannt. Fr\u00fcher hie\u00df die Stadt wegen ihrer N\u00e4he zur Silberminenstadt Potos\u00ed La Plata, und wurde erst nach der Unabh\u00e4ngigkeit umbenannt.<br \/>\nHistorisch \u00e4hnlich bedeutsam wie Potos\u00ed k\u00f6nnte die Stadt sonst jedoch nicht unterschiedlicher sein. Sucre gilt als das intellektuelle Zentrum Boliviens, von der \u00e4ltesten Universit\u00e4t des Landes wurden immer wieder Revolutionen angezettelt, und auch heute zeugen viele Konzerth\u00e4user, Museen und Bibliotheken vom geistigen Reichtum der Stadt. Das Stadtbild ist gepr\u00e4gt von niedrigen wei\u00dfen H\u00e4usern aus der Kolonialzeit, vielen Kirchen, vielen Verwaltungsgeb\u00e4uden im Klassik- oder Barockstil (der Patrimonio Kurs hat durchaus seinen Sinn erf\u00fcllt\u2026) und ist, \u00e4hnlich wie Rom, von mehreren H\u00fcgeln umgeben. Auf einem der H\u00fcgel liegt das 1600 gegr\u00fcndete Franziskanerkloster la Recoleta, von wo aus es einen traumhaften Blich \u00fcber die Stadt gibt, und das einen uralten h\u00f6lzernen Chorgest\u00fchl besitzt. Im casa de la libertad wurde einst die Unabh\u00e4ngigkeit Alto Per\u00fas (heute Bolivien) von Simon Bol\u00edvar unterzeichnet, sodass Sucre heute von historischer Bedeutung f\u00fcr viele S\u00fcdamerikanische Staaten ist. Sucre stellt wirklich einen starken Kontrast zum schroffen, kalten, bergigen La Paz dar, allein schon wegen der unz\u00e4hligen Touristen aus aller Welt die sich dieses Highlight auf ihrer S\u00fcdamerikareise nicht entgehen lassen, und k\u00f6nnte \u00e4u\u00dferlich auch eine Stadt in der Toskana sein.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"453\" data-permalink=\"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/en\/reise-in-die-vergangenheit\/dsc_2572\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.sofagoesabroad.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/dsc_2572-1.jpg?fit=4928%2C3264\" data-orig-size=\"4928,3264\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;3.5&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;NIKON D7000&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1428617563&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;18&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;1250&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.0333333333333&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Schoko aus Sucre, ein anderes Highlight\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.sofagoesabroad.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/dsc_2572-1.jpg?fit=790%2C523\" class=\"alignnone size-medium wp-image-453\" src=\"https:\/\/sofagoesabroad.files.wordpress.com\/2016\/04\/dsc_2572.jpg?w=300&#038;resize=300%2C199\" alt=\"Schoko aus Sucre, ein anderes Highlight\" width=\"300\" height=\"199\" \/><\/p>\n<p>Besonders in Erinnerung wird mir der Besuch eines Konzertes in Sucre bleiben. Wir hatten die M\u00f6glichkeit durch die Kontakte unseres Professors einen Auftritt der bolivianischen Band Las Masis mitzuerleben, die eine Mischung aus Rock und traditioneller indigener Musik betreiben. Gleichzeitig unterhalten sie eine Musikschule, die den Kindern kostenlos Musikunterricht gibt, und dabei versucht indigene Werte weiterleben zu lassen. Nach einem kurzen Gespr\u00e4ch mit dem Gitarristen der Band fand ich heraus, dass sie jedes Jahr eine Europatournee unternehmen um die Schule zu finanzieren, und dabei schon des \u00d6fteren in W\u00fcrzburg gespielt haben. Nach dem Bekanntwerden meines Geburtsortes war schnell Freundschaft geschlossen und die Preise an der Bar dem Einheimischen Tarif angeglichen\u2026<\/p>\n<p>Am Sonntagabend ging es mit dem Bus wieder heim nach La Paz, und der Uni-Alltag hat mich wieder eingefangen. Definitiv hat die kleine Tour aber Lust auf mehr gemacht, und in den n\u00e4chsten Wochen plane ich eine Reise zum Salar de Uyuni und vielleicht endlich ans Meer nach Chile.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hasta luego, Muchachos!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Europa ist Lateinamerika heute leider nicht f\u00fcr viele tolle Sachen bekannt. Meistens drehen sich die Nachrichten um Drogen, politische Unruhen oder Steuerhinterzieher. Die Geschichte dieses Kontinents muss sich jedoch nicht vor der Europ\u00e4ischen verstecken. 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