{"id":4450,"date":"2016-12-23T08:00:42","date_gmt":"2016-12-23T08:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/?p=4450"},"modified":"2016-12-24T09:45:47","modified_gmt":"2016-12-24T09:45:47","slug":"praktikumsstreckbrief-friedrich-ebert-stiftung-lusaka","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/en\/praktikumsstreckbrief-friedrich-ebert-stiftung-lusaka\/","title":{"rendered":"Praktikumssteckbrief &#8211; Friedrich-Ebert-Stiftung Lusaka"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin derzeit Praktikant im Landesb\u00fcro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Lusaka, Sambia. Von September bis Februar werde ich in Lusaka sein und somit im Gegensatz zu vielen Kommilitonen mein Praktikum nicht aufsplitten. Lasst mich euch kurz meinen &#8220;Arbeitgeber&#8221; vorstellen.<\/p>\n<p><strong>Was macht die Stiftung? <\/strong><\/p>\n<p>In Sambia ist die Hauptt\u00e4tigkeit der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit im weiteren Sinne. Es geht also nicht darum technische Unterst\u00fctzung zu bieten, beispielsweise in der Energieversorgung oder im Wassermanagement, sondern darum &#8211; basierend auf den Werten der FES &#8211; zur Formung einer m\u00fcndigen, demokratischen Gesellschaft in Sambia beizutragen. Dabei stehen vor allem sozial demokratische Werte im Fokus. So werden beispielsweise durch Workshops mit und f\u00fcr Gewerkschaften Arbeiterrechte betont. Durch viele Konferenzen soll ein Bewusstsein seitens der Politik f\u00fcr soziale Sicherungen wie Arbeitslosenschutz, Mutterschutz, spezielle Rechte f\u00fcr Minderheiten und Bildungsm\u00f6glichkeiten geschaffen werden. Die FES hat also eine klare Idee einer modernen Gesellschaft, welche sie versucht in die Welt zu tragen.<\/p>\n<p><strong>Was ist der<\/strong> <strong>Unterschied zu einer Botschaft\/Konsulat etc.?<\/strong><\/p>\n<p>Die FES ist keine Bundesbeh\u00f6rde. Zwar wird die Stiftung zu einem gro\u00dfen Teil aus Steuergeldern finanziert, die Mitarbeiter sind aber zum Beispiel keine Beamten. Au\u00dferdem ist die FES in keiner Weise der Regierung untergeordnet, sie kann also ihr Programm v\u00f6llig selbstst\u00e4ndig festlegen ohne auf Befindlichkeiten der deutschen Politik zu achten. Die FES hat auch keine diplomatische Funktion, sie vertritt niemandes Interessen, au\u00dfer jene die sie sich selbst gegeben hat.<\/p>\n<p><strong>Hat das was mit einer Partei zu tun?<\/strong><\/p>\n<p>Ja und Nein. Die FES ist SPD nah und vertritt ja auch sehr \u00e4hnliche Werte. Ich selbst bin aber zum Beispiel kein SPD Mitglied, was nat\u00fcrlich kein Problem war. Generell hat die Stiftung auch nichts mit der Tagespolitik in Deutschland zu tun. Nat\u00fcrlich \u00fcberschneiden sich manche Themen oft, wie beispielsweise die St\u00e4rkung der Rechte von Minderheiten wie Homosexuellen, Migranten und Arbeitslosen, das liegt aber eher daran, dass diese Themen nun mal von globaler Bedeutung sind, und daher auch im Fokus der deutschen Politik stehen.<br \/>\nDirekte Einflussnahme seitens der SPD gibt es allerdings nicht.<\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nlicher Eindruck als Stipendiat der Hanns Seidel Stiftung (CSU nah) ist sowieso, dass die Unterschiede zwischen Parteien und den jeweiligen Stiftungen in Deutschland viel gr\u00f6\u00dfer gemacht werden, als es dann <em>on the ground <\/em>wirklich der Fall ist. So waren auch meine Bedenken total unbegr\u00fcndet, dass mich eine Verbindung zu beiden Stiftungen gleichzeitig in eine schwierige Situation bringen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Arbeiten dort Einheimische?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, in erster Linie sogar. Zurzeit sind nur der Country Director und die beiden Praktikanten deutsch. Also drei von 10 Mitarbeitern. Bis vor ein paar Wochen gab es auch noch zwei Sambische Praktikanten, welche aber leider im Gegensatz zu uns Deutschen nicht f\u00fcr ihr Praktikum bezahlt wurden. Gerechtfertigt wird das damit, dass den Praktikas ja zwei unterschiedliche Jobm\u00e4rkte zu Grunde liegen.<\/p>\n<p>Ansonsten sind aber die Projektmanager und die Administration durch die Bank mit Einheimischen besetzt, was erstens der Stimmung im B\u00fcro sehr gut tut, zweitens die Arbeit effizienter macht (die einheimischen Kollegen verf\u00fcgen nat\u00fcrlich \u00fcber ein viel gr\u00f6\u00dferes Netzwerk in Sambia), und gleichzeitig macht es die Arbeit der Stiftung auch authentischer.<\/p>\n<p><strong>Hat mich IRM darauf vorbereitet?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Frage kann ich nicht mit ja oder nein beantworten. Manchmal bin ich sehr dankbar dar\u00fcber so vielseitig aufgestellt zu sein, weil auch die T\u00e4tigkeit hier sehr vielseitig ist. Wirklich profitiere ich von der F\u00e4higkeit kritisch zu denken, indem ich komplexe Diskussionen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann. Das ist sicherlich gerade in der Entwicklungszusammenarbeit ein gro\u00dfer Vorteil, den die Entwicklung von Staaten hat eben nicht nur eine politische oder \u00f6konomische oder betriebswirtschaftliche Komponente, sondern ist ein komplexes Geflecht aus verschiedenen Faktoren. Nat\u00fcrlich bin ich hier in einem politischen Kontext unterwegs, und die Vorlesungen von Prof. Bresinsky machen sich bei mir positiv bemerkbar, auch das h\u00e4tte ich im dieser Form nicht gedacht.<\/p>\n<p>Ein anderer Punkt, der mir sehr hilft, ist die IRM bedingte, und zu Recht auch h\u00e4ufig kritisierte, hohe Motivation sich nicht mit einer guten L\u00f6sung zufrieden zu geben. Dies kann sicher oft einen Unterschied in der Au\u00dfenwahrnehmung ausmachen, in erster Linie merke ich aber wie ich mit mir selbst zufriedener werde, je mehr Aufwand ich auch in Kleinigkeiten stecke.<br \/>\nAuf der anderen Seite werden auch Schwachstellen des IRM Studienganges deutlich. In manchen Dingen, vor allem der akademischen Komponente, wenn es etwa darum geht Feldforschungen vorzubereiten usw. muss ich mich aufwendiger in das Thema, besser gesagt die Praktische Umsetzung, reinw\u00fchlen. Wenn es darum geht zum Beispiel mit Statistik zu arbeiten, sei es nur auf Excel, muss ich leider oft Google fragen.<\/p>\n<p>Generell best\u00e4tigt mich dieses Praktikum aber in meiner Entscheidung f\u00fcr IRM. Auch im Gespr\u00e4ch mit Studierenden anderer Studieng\u00e4nge merke ich, dass es wohl keinen perfekten Studiengang gibt, und das ich als IRMler oft gro\u00dfes Interesse an meinem Studiengang erfahre. Auch wird es, so ist zumindest mein pers\u00f6nlicher Eindruck, oft untersch\u00e4tzt wie sehr eine breite Aufstellung der Vorlesungen hilft sich leicht f\u00fcr verschiedenste Themen zu interessieren. Denn zumindest ein grundlegendes Verst\u00e4ndnis zu den meisten Themen bef\u00e4higt einen ja schon, kritische Fragen zu stellen. Angenehmerweise wird damit auch die \u00dcberwindung kleiner, mich in verschiedene Aufgaben reinzuknien.<\/p>\n<p><strong>Wer entscheidet warum welche Projekte gemacht werden?<\/strong><\/p>\n<p>Einerseits gibt es nat\u00fcrlich eine Strategie seitens des Headquarters in Berlin. Andererseits ist die Umsetzung dann den einzelnen B\u00fcros nahezu komplett frei \u00fcberlassen.<\/p>\n<p><strong>Wer ist in Deutschland \u00fcbergeordnet?<\/strong><\/p>\n<p>Das Afrika Department der FES, und dar\u00fcber das Headquarter der FES.<\/p>\n<p><strong>Gibt es Erfolge? Wie werden diese gemessen?<\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Papier geht es darum die Jahrespl\u00e4ne entlang der strategischen Ausrichtung der FES durchzuf\u00fchren. Man k\u00f6nnte also einfach sagen, wenn ein Workshop mit Jugendlichen zum Thema social democracy durchgef\u00fchrt wurde, ist das ein Erfolg.<br \/>\nLangfristig ist es aber nat\u00fcrlich das Ziel der Stiftung, ihre Werte in der sambischen Politik wiederzufinden. Beispielsweise,\u00a0wenn Gesetze zur St\u00e4rkung des Sozialstaates oder der Gewaltenteilung durchgesetzt werden.<\/p>\n<p><strong>Ist die Arbeit sinnvoll f\u00fcr das Gastland?<\/strong><\/p>\n<p>Meiner Meinung zur Sinnhaftigkeit von Entwicklungszusammenarbeit, werde ich eventuell noch einen eigenen Blogeintrag widmen. Deswegen nur kurz:<br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich ist es umstritten eine Ideologie aus Deutschland in die Welt zu tragen. Im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen profitiert die FES aber nicht finanziell davon.<br \/>\nIch f\u00fcr meinen Teil kann sagen, dass die Arbeit der Stiftung sehr ehrlich ist, und Gelder nicht nach dem Prinzip verteilt werden, dass m\u00f6glichst viel davon wieder nach Deutschland zur\u00fcckflie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Sambia profitiert von der Arbeit der Stiftung in der Form, dass die \u00f6ffentliche Diskussion um die Komponente der Werte der Stiftung erweitert wird.<\/p>\n<p><strong>Was wird Praktikanten zugetraut?<\/strong><\/p>\n<p>Einer der Gr\u00fcnde mich f\u00fcr das Praktikum bei der FES Zambia zu bewerben war die Aussicht auf ein relativ kleines B\u00fcro. Ich hatte die Hoffnung, dass in einem kleinen B\u00fcro mehr Verantwortung auf die Praktikanten abf\u00e4llt, und diese Hoffnung wurde zu einem gro\u00dfen Teil erf\u00fcllt. Klar mache ich auch klassische Praktikanten Arbeit wie die B\u00fccherei zu katalogisieren, die Website updaten und \u00c4hnliches, aber sehr regelm\u00e4\u00dfig genie\u00dfe ich auch einen hohen Vertrauensvorschuss seitens unseres Direktors. So vertrete ich die FES auf Konferenzen anderer Organisationen und bin direkt in die Organisation eigener Projekte involviert. Das geht bei der Budget Planung los, und endet beim Aufstellen eines Beamers f\u00fcr den Referenten. In diesem Zuge hatte ich die M\u00f6glichkeit mit der Stiftung nach S\u00fcdafrika zu fliegen, um dort eine Konferenz zu social protection durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Was ist die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr Praktikanten?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist es ungewohnt, dass es manche Wochen gibt, in welchen ich kaum hinterherkomme mit der Arbeit und ich dann aber wieder Tage habe, an welchen ich ausgiebigst Zeit habe Zeitung zu lesen, mich mit den Kollegen zu unterhalten und Blogbeitr\u00e4ge zu schreiben.<br \/>\nInhaltlich kann ich zwei Dinge nennen: Erstens war ich einmal daf\u00fcr zust\u00e4ndig eingereichte Paper (vergleichbar mit den Bresinskyschen Termpapern) zu lesen und dann eine Auswahl zu treffen, welche Autoren zu einer Konferenz eingeladen werden, bzw. welche eben nicht. Andererseits war ich vor ein paar Wochen im Namen unseres Direktors bei einer Konferenz der Afrikanischen Union zum Thema Kleinwaffenschmuggel und langfristigem Frieden in Afrika. Das Besondere war, dass dort auf sehr strategischer Eben verhandelt wurde, also viele Botschafter anwesend waren, Gelder an den Peace and Security Council verteilt wurden und dass alles auf Franz\u00f6sisch, Arabisch und Englisch stattfand.<\/p>\n<p>Auf einer mehr pers\u00f6nlichen Ebene ist es oft nicht einfach damit umzugehen, dass ich als Praktikant teilweise mehr verdiene als meine sambischen Kollegen. Deren Arbeit ist sicher wertvoller f\u00fcr die Stiftung, sie werden jedoch aus anderen T\u00f6pfen bezahlt, und k\u00f6nnen deswegen nicht h\u00f6hergestuft werden.<\/p>\n<p><strong>Ist die Organisationskultur dem Gastland angepasst?<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeitsatmosph\u00e4re ist sehr gut! Ich empfinde eine angenehme Mischung aus Produktivit\u00e4t und Geselligkeit. Durch die \u00fcberschaubare Gr\u00f6\u00dfe des B\u00fcros ist es meist kein Problem, mal fr\u00fcher Feierabend zu machen, es herrscht aber genug gegenseitiges Vertrauen, diese Zeit dann wann anders wieder reinzuarbeiten. Ich habe allerdings noch nie in einer sambischen Organisation gearbeitet, eventuell gibt es da schon gr\u00f6\u00dfere Unterschiede.<\/p>\n<p><strong>Was waren bisher schwierige Situationen?<\/strong><\/p>\n<p>In den ersten Tagen hatte ich zu viel Stress und kam nicht mit der Arbeit hinterher. Da war ich sehr dankbar, dass meine Mitpraktikanten mir viel geholfen haben, sonst w\u00e4re ich schnell frustriert gewesen. Nach ein paar Tagen hatte ich die Situation aber im Griff, und inzwischen ist es eher so, dass ich mir extra Aufgaben suche, um wirklich ausgelastet zu sein. Diesen Spagat empfinde ich oft als nicht ganz einfach, denn einerseits will ich nat\u00fcrlich was bewegen, f\u00fchle mich dazu auch moralisch verpflichtet, andererseits ist es manchmal schwierig dabei die Balance zu halten, und nicht durch meine Arbeit andere in unn\u00f6tigen Stress zu treiben. Und nat\u00fcrlich ist auch manchmal sehr angenehm im B\u00fcro ein bisschen Zeit daf\u00fcr zu haben, nachzudenken, einen Blogartikel zu schreiben, Kontakte nach Deutschland zu pflegen oder einfach im Internet zu surfen.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mich wieder so entscheiden, und hoffe ich kann allen die gerade vor der Wahl stehen, welches Praktikum zu einem passt, bei dieser Entscheidung etwas behilflich sein.<br \/>\nIch bin zufrieden mit meiner Wahl, und freue mich schon\u00a0auf die n\u00e4chsten beiden Semester in Regensburg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin derzeit Praktikant im Landesb\u00fcro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Lusaka, Sambia. Von September bis Februar werde ich in Lusaka sein und somit im Gegensatz zu vielen Kommilitonen mein Praktikum nicht aufsplitten. Lasst mich euch kurz meinen &#8220;Arbeitgeber&#8221; vorstellen. Was macht die Stiftung? 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