{"id":3418,"date":"2016-10-04T15:49:25","date_gmt":"2016-10-04T15:49:25","guid":{"rendered":"https:\/\/sofagoesabroad.wordpress.com\/?p=3418"},"modified":"2016-11-02T09:08:06","modified_gmt":"2016-11-02T09:08:06","slug":"immigration","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sofagoesabroad.de\/en\/immigration\/","title":{"rendered":"Immigration"},"content":{"rendered":"<p>Mein Anspruch an diesen Blog ist es aus dem Alltag zu berichten, und dabei ein zwar subjektives aber m\u00f6glichst originalgetreues, reflektiertes Bild meines Aufenthaltes in Sambia zu vermitteln. Zudem geht es mir ein bisschen darum, Stereotype aufzubrechen und jedem Leser und jeder Leserin die Chance zu geben sich ein\u00a0\u00a0eigenes Bild zu machen. Letzte Woche hatte ich die Situation, dass einer meiner eigenen Stereotype sich als v\u00f6llig falsch erwiesen hat, und ich das genaue Gegenteil davon erfuhr, als vorher angenommen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Da Sambia ja leider knapp ausserhalb des Schengen Raums liegt, galt es f\u00fcr mich ein temporary employment permit (TEP) zu beantragen, damit ich die n\u00e4chsten Monate hier ganz offiziell als Praktikant arbeiten kann. Dies stellte sich als komplizierter heraus als gedacht.<\/p>\n<p>Meine Erwartung war, dass das alles nicht so eng gesehen wird, und ich mich zur Not mit ein bisschen \u00dcberzeugungskraft durchmogeln kann. Denn, so mein Stereotyp, mit Regeln und Vorschriften wird\u2019s schon nicht so genau genommen werden. Doch dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p>Folgende Unterlagen sind n\u00f6tig, um das TEP zu erhalten:<\/p>\n<ul>\n<li>Die ausgef\u00fcllte Form XXV\u00a0(zum download bereit auf der website der Immigrationsbeh\u00f6rde)<\/li>\n<li>Zwei Passfotos<\/li>\n<li>Zwei beglaubigte Kopien des Reisepasses sowie des Einreisestempels, und<\/li>\n<li>1500 Zambian Kwacha als Geb\u00fchr<\/li>\n<\/ul>\n<p>Soweit so gut, die Form XXV war schnell gefunden und ausgef\u00fcllt, die Passfotos konnte ich in der Mall gegen\u00fcber des B\u00fcros machen lassen, und meinen Reisepass konnte ich nat\u00fcrlich im B\u00fcro kopieren.<br \/>\nDoch dann begann ein kleines Spie\u00dfrutenlaufen durch den Beh\u00f6rdendschungel Lusakas.<br \/>\nWie ich erfahren sollte, konnte die Geb\u00fchr nicht einfach bar oder meinetwegen per Kreditkarte vor Ort bezahlt werden, sondern musste in Form eines Checks der Bank of China (was l\u00e4ge auch n\u00e4her) abgegeben werden. Also war das erste Ziel des Tages nicht das Immigration Headquarter sondern die Filiale der Bank. Dort waren die Angestellten zum Gl\u00fcck recht routiniert damit, Checks auszustellen, die Formulare gab&#8217;s leider aber nicht alle auf Englisch. Naja, unterschrieben habe ich trotzdem, und die dort f\u00e4llige Geb\u00fchr musste ich auch bezahlen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3420\" aria-describedby=\"caption-attachment-3420\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3420 size-medium\" src=\"https:\/\/sofagoesabroad.files.wordpress.com\/2016\/10\/img-20160930-wa0001.jpg?w=225&#038;resize=225%2C300\" alt=\"img-20160930-wa0001\" width=\"225\" height=\"300\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3420\" class=\"wp-caption-text\">Die Preistabelle in der Beh\u00f6rde. Diplomaten und Asylsuchende kosten nichts&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als zweites Stand an, die Reisepasskopien beglaubigen zu lassen. Unglaublicherweise kann nicht einfach jede Polizeistation oder ein \u00f6ffentliches Amt dies vollziehen, sondern nur bef\u00e4higte Richter im High Court, dem zweith\u00f6chsten Gericht Sambias. Zum Gl\u00fcck war das Gericht grade nicht besonders im Stress und nach einer abermaligen Geb\u00fchr f\u00fcr die Benutzung des Stempels waren auch meine Kopien fertig f\u00fcr den Antrag auf das TEP.<\/p>\n<p>Nur eine Stra\u00dfe entfernt vom High Court ist das HQ der Immigrationsbeh\u00f6rde Sambias. Ausschliesslich hier kann das Visum beantragt und abgeholt werden, und ihr werdet es mittlerweile ahnen: auch hier ist einiges sehr kompliziert. P\u00fcnktlich zu unserer Ankunft am Haupteingang dreht der Wachmann im Inneren das \u201eclosed\u201c Schild um: Mittagspause, Argh!<\/p>\n<p>Kann man nichts machen, dachten wir uns, und versorgten uns ebenfalls mit erstklassigem Enshima (ein Maisbrei, der nach wenig schmeckt aber sehr s\u00e4ttigend ist) und Beefstew.<\/p>\n<p>Als das B\u00fcro schliesslich der wartenden Schlange an Ausl\u00e4ndern seine Pforten \u00f6ffnete, dachte ich, es k\u00f6nne nun ja wirklich nicht mehr lange dauern. Relativ schnell kam ich an die Reihe. Aber nicht um meinen Antrag abzugeben, sondern um mich in eine so typische wie nutzlose Liste mit meinem Namen, Adresse, Passnummer, Telefonnummer usw. einzutragen, und um zu erfragen, bei welchem B\u00fcro sich meines Antrags angenommen wird. Leider ist es verboten in den B\u00fcror\u00e4umen Fotos zu machen, denn dieses beispiellose Chaos ist wirklich einen Blick wert.<\/p>\n<p>Desk 13 war meine Destination, und tats\u00e4chlich, am Ende des Raums entdeckte ich zwischen hohen Aktenstapeln ein Schild mit der Nummer 13, leider aber noch keinen Immigrationofficer. Daf\u00fcr aber bereits eine kulturell bunt gemischte Schlange an anderen Bewerbern. Also hie\u00df es wieder warten bis einer nach dem anderen sein Geheft abgegeben hatte. Letztlich kam ich dann aber auch an die Reihe. Die unerwartet unfreundliche Beamtin nahm mir meine Papiere ab, nur um sie mir Augenblicke sp\u00e4ter wieder zur\u00fcckzugeben, mit dem Kommentar: Wrong Invitation letter.<\/p>\n<p>\u201eNein, Nein das kann doch nicht sein\u201c, versuchte ich mein Gl\u00fcck. Den Brief hatte ich ja extra zur Beantragung des Visas von der Stiftung bekommen. Doch ohne \u00fcberhaupt auf mein Flehen einzugehen, wandte sich die Beamtin schon dem hinter mir wartenden S\u00fcdafrikaner zu. Hier war ich wirklich sehr \u00fcberrascht. Aufgrund meiner Erfahrungen in S\u00fcdafrika und Bolivien dachte ich, dass auch in Sambia, mit einer nicht allzu hoch entwickelten Verwaltung, ein bisschen \u00dcberzeugungsarbeit reichen k\u00f6nnte, um kleinere Probleme zu umgehen. Denn selbstverst\u00e4ndlich wird niemals jemand dieses Einladungschreiben hervorkramen oder gar lesen. Schliesslich wurde mir zum Verh\u00e4ngnis, dass der Brief nicht an den Director General of Immigration adressiert war.<br \/>\nTja, kannste nix machen! So hie\u00df es am n\u00e4chsten Tag nochmal hin, alles abgeben und dann: warten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3419\" aria-describedby=\"caption-attachment-3419\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3419 size-medium\" src=\"https:\/\/sofagoesabroad.files.wordpress.com\/2016\/10\/img-20160930-wa0000.jpg?w=225&#038;resize=225%2C300\" alt=\"img-20160930-wa0000\" width=\"225\" height=\"300\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3419\" class=\"wp-caption-text\">Ich hoffe mein Antrag ist da nicht drin&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie lange es genau dauern wird bis der Antrag bewilligt wird, wei\u00df niemand so genau, und auch im Ministerium waren die Angaben sehr unterschiedlich. Vielleicht ist doch noch ein bisschen \u00dcberzeugungsarbeit notwendig, und ein vorsichtiges Nachfragen kann ja nicht schaden.<\/p>\n<p>Ich halte euch auf dem Laufenden!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>+++UPDATE+++<\/p>\n<p>Nach 5 Wochen hab ich nun mein Permit erhalten. Und ich bin absolut begeistert, denn die Laufzeit wurde direkt fuer 6 Monate bewilligt, sodass ich mir die Verlaengerung sparen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fotos von Meike Schulze, in einem B\u00fcro irgendwo auf der Welt \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Anspruch an diesen Blog ist es aus dem Alltag zu berichten, und dabei ein zwar subjektives aber m\u00f6glichst originalgetreues, reflektiertes Bild meines Aufenthaltes in Sambia zu vermitteln. Zudem geht es mir ein bisschen darum, Stereotype aufzubrechen und jedem Leser und jeder Leserin die Chance zu geben sich ein\u00a0\u00a0eigenes Bild zu machen. 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